In der Gemeinschaftsunterkunft Alt-Hohenschönhausen in Berlin-Lichtenberg lebt Nabil Salim seit zehn Jahren. Der Libyer wurde angeschossen und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Er ist einer von Hunderten Geflüchteten, die in der Einrichtung untergebracht sind.
Das Gerücht von der Bevorzugung
In der Nachbarschaft hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Bewohner der Unterkunft bevorzugt behandelt würden – etwa bei der Wohnungssuche oder bei Sozialleistungen. Die Morgenpost hat sich im Kiez umgehört und mit Anwohnern gesprochen. Viele äußern Unmut, aber auch Verständnis.
Integration vor Ort
Die Unterkunft besteht seit über einem Jahrzehnt. Nach Angaben des Bezirksamts Lichtenberg leben dort derzeit rund 400 Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern. Die Einrichtung wird vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten betrieben. Regelmäßig gibt es Begegnungsprojekte zwischen Geflüchteten und Anwohnern, um Vorurteile abzubauen.
Stimmen aus der Nachbarschaft
Eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, sagt: „Man hört immer, dass die hier alles geschenkt bekommen. Aber wenn ich sehe, wie die hier leben, glaube ich das nicht.“ Ein anderer Nachbar berichtet von positiven Erfahrungen: „Die Kinder spielen zusammen, das funktioniert gut.“
Faktencheck zum Gerücht
Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2025 erhalten Geflüchtete im Durchschnitt 563 Euro pro Monat an Sozialleistungen – weniger als deutsche Hartz-IV-Empfänger. Auch bei der Wohnraumversorgung gibt es keine Bevorzugung: Die Wartezeiten auf eine Sozialwohnung sind für alle gleich lang.
Blick in die Zukunft
Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) betont: „Integration gelingt nur, wenn wir miteinander reden, nicht übereinander.“ Er verweist auf regelmäßige Kieztreffen und Informationsveranstaltungen. Das Gerücht von der Bevorzugung sei „völlig aus der Luft gegriffen“.



