Im französischen Saint-Denis haben nach zahlreichen Beleidigungen gegen den neuen Bürgermeister Bally Bagayoko Tausende Menschen gegen Rassismus protestiert. Rund 6000 Demonstranten versammelten sich am Samstag vor dem Rathaus der Pariser Vorstadt, wie die französische Zeitung Le Parisien unter Berufung auf eine Polizeiquelle berichtete.
Die Teilnehmenden hoben Plakate mit Slogans wie „Nein zum Hass, Nein zum Rassismus“ oder „Wir wollen viele schwarze Bürgermeister gegen die braune Pest“ in die Höhe. Der 52-jährige Bagayoko war im März zum Bürgermeister der von Einwanderung geprägten Vorstadt Saint-Denis gewählt worden. Er ist der erste schwarze Bürgermeister einer so großen Stadt wie Saint-Denis mit etwa 150.000 Einwohnern. Seither wird Bagayoko rassistisch beleidigt.
Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte am Freitag bereits Ermittlungen gegen den französischen Nachrichtensender CNews wegen angeblich rassistischer Aussagen über Bagayoko aufgenommen. Außerdem wurde eine separate Untersuchung wegen mutmaßlichen Cybermobbings gegen den Bürgermeister eingeleitet, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Die Vorfälle haben eine neue Debatte über Rassismus in Frankreich ausgelöst. Bagayoko, der selbst zu der Kundgebung aufgerufen hatte, warf Staatschef Emmanuel Macron „Schweigen“ beim Thema Rassismus vor. Das zeige, dass Macron im Kampf gegen den Rassismus nicht „engagiert“ sei, sagte der Politiker der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI) bei der Demonstration. LFI-Gründer Jean-Luc Mélenchon sprach von einer „ekelerregenden Welle des Rassismus, die von politisch-medialen Eliten kommt und ohne Zurückhaltung ihre Verachtung für einen Teil unserer Bevölkerung ausbreitet“.



