Immer mehr Menschen, die nach Schweden ausgewandert sind, packen ihre Koffer und kehren in ihre Heimatländer zurück. Grund dafür sind vor allem die deutlich verschärften Einbürgerungsregeln, die in den letzten Jahren in Kraft getreten sind. Hinzu kommen ein angespannter Arbeitsmarkt und eine sich verändernde gesellschaftliche Stimmung. Die Abwanderung betrifft nicht nur Arbeitsmigranten, sondern auch gut integrierte Fachkräfte, die sich dauerhaft niederlassen wollten.
Verschärfte Regeln für die Einbürgerung
Seit 2024 hat Schweden die Anforderungen für die Einbürgerung drastisch erhöht. Wer die schwedische Staatsbürgerschaft erhalten möchte, muss nun unter anderem einen umfassenden Sprachtest auf Niveau C1 bestehen, einen Einbürgerungstest zu Geschichte, Gesellschaft und Werten absolvieren sowie einen einwandfreien Leumund nachweisen. Die Wartezeit wurde von fünf auf acht Jahre verlängert. „Diese Hürden sind für viele Auswanderer kaum zu überwinden“, sagt Einwanderungsexpertin Elin Svensson von der Universität Göteborg. „Besonders für Menschen, die bereits seit Jahren in Schweden leben und arbeiten, fühlt sich das wie eine Zurückweisung an.“
Rückkehr in die alte Heimat
Betroffen sind vor allem Deutsche, Briten und US-Amerikaner, die in den vergangenen Jahrzehnten nach Schweden gezogen waren. Laut einer aktuellen Studie des schwedischen Statistikamts ist die Zahl der Auswanderer aus diesen Ländern im Jahr 2025 um 15 Prozent gestiegen. Viele von ihnen geben an, dass sie sich nicht mehr willkommen fühlen. „Ich habe mich jahrelang bemüht, Teil der schwedischen Gesellschaft zu werden, aber die neuen Gesetze machen mir klar, dass ich nicht dazugehöre“, sagt der 42-jährige Softwareentwickler Markus aus Berlin, der nach zehn Jahren in Stockholm zurück nach Deutschland zog.
Arbeitsmarkt und Wohnungsnot als zusätzliche Faktoren
Neben den Einbürgerungshürden spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Der schwedische Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren abgekühlt, insbesondere in der Tech-Branche, die viele Auswanderer anzog. Gleichzeitig sind die Wohnungspreise in den Großstädten explodiert. Die Mietpreise in Stockholm sind zwischen 2020 und 2025 um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. „Die Kombination aus unsicherer Joblage und extrem hohen Lebenshaltungskosten macht Schweden für viele weniger attraktiv“, erklärt Ökonom Lars Johansson. „Hinzu kommt, dass das soziale Netz für Nicht-EU-Bürger ausgedünnt wurde.“
Auswirkungen auf die schwedische Gesellschaft
Die Abwanderung von Fachkräften könnte langfristig negative Folgen für die schwedische Wirtschaft haben. Besonders in den Bereichen IT, Ingenieurwesen und Pflege zeichnet sich bereits ein Mangel ab. Die schwedische Regierung verteidigt die neuen Regeln mit dem Hinweis auf eine bessere Integration. „Wir wollen, dass diejenigen, die hier bleiben, wirklich Teil der schwedischen Gesellschaft sein wollen“, sagte Migrationsministerin Maria Larsson kürzlich in einer Rede. Kritiker hingegen befürchten, dass die Politik kontraproduktiv sei und Schweden für internationale Talente unattraktiv mache.
Die Rückkehrer berichten gemischte Gefühle. Viele vermissen die Natur, die hohe Lebensqualität und das Bildungssystem, aber die Bürokratie und das Gefühl, nicht dazuzugehören, haben sie zur Abreise bewogen. „Schweden wird immer ein besonderer Ort für mich sein, aber es ist nicht mehr mein Zuhause“, sagt die 35-jährige Britin Sarah, die nach acht Jahren in Malmö wieder nach London zog.



