Am Landgericht Krefeld hat der Prozess gegen einen 56-jährigen Mann begonnen, der im Zusammenhang mit einer Messerattacke auf der Bundesstraße 221 bei Brüggen angeklagt ist. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Der Angeklagte, ein syrischer Staatsbürger und mehrfacher Vater, schwieg zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen.
Gezieltes Ausbremsen und Angriff mit Messer
Vor etwa sechs Monaten soll der Angeklagte das Fahrzeug des heutigen 33-jährigen Opfers auf der B221 nahe der deutsch-niederländischen Grenze absichtlich ausgebremst haben. Anschließend entwickelte sich laut Anklage eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf der 56-Jährige den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau mit einem Messer attackierte. Das Opfer erlitt einen Stich in den Bauch und wurde nach Polizeiangaben schwerst verletzt, schwebte jedoch nicht in Lebensgefahr. Auch der Beifahrer wurde verletzt, als er einen Faustschlag erhielt.
Der Anklage zufolge ging dem Angriff ein Bierflaschenwurf des 33-Jährigen auf das Auto des Angeklagten voraus. Daraufhin soll der 56-Jährige mehrfach mit einem Messer auf den Mann eingestochen haben. Erst als weitere Zeugen hinzukamen, beendete er die Attacke. Der Angeklagte wurde kurz darauf in der Nachbargemeinde Bracht von der Polizei festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Bei seiner Festnahme war einer seiner minderjährigen Söhne anwesend.
Opfer berichtet von jahrelangen Konflikten
Der 33-Jährige, der als Nebenkläger auftritt, schilderte vor Gericht eine konfliktreiche Vorgeschichte. Jahrelange Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Frau, insbesondere um das Umgangsrecht für die beiden gemeinsamen Kinder, hätten die Beziehung geprägt. Die Ehe sei von Gewalt und Angst bestimmt gewesen. Auch ihm selbst habe der Angeklagte gedroht und ihn unter anderem angezeigt, weil er versucht habe, ihn mit einem Auto zu überfahren. „Ich hatte drei Kinder im Auto“, sagte das Opfer aus.
Während der Aussagen zeigte der Angeklagte teils kopfschüttelnd, teils mit einem amüsierten Lächeln Reaktionen. Für das Verfahren (AZ: 22 Ks 20/26) sind bis Anfang September vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.



