Einzigartige Flucht: General entkommt aus Festung Königstein
Einzigartige Flucht: General entkommt aus Festung Königstein

Am 17. April 1942 gelang auf der Festung Königstein die einzige erfolgreiche Flucht ihrer Geschichte. Der französische General Henri Giraud entkam aus deutscher Kriegsgefangenschaft und erreichte nach mehreren Tagen über die Schweiz wieder französisches Gebiet.

Giraud war im Mai 1940 von der Wehrmacht gefangen genommen worden. Anschließend kam er mit anderen hohen französischen Offizieren in das Offiziersgefangenenlager IV B auf der Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz, die als besonders sicher galt.

Über den genauen Ablauf der Flucht gibt es bis heute unterschiedliche Darstellungen. Als gesichert gilt, dass Giraud seine Flucht über lange Zeit vorbereitete. Er lernte Deutsch, prägte sich die Umgebung ein und organisierte mit Hilfe von Mitgefangenen Zivilkleidung, deutsches Geld und einen Fahrplan des deutschen Eisenbahnnetzes.

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Nach mehreren Berichten erhielt er auch Unterstützung von seiner Frau Eugenie Douay in Frankreich. In Paketen sollen Stricke, Kupfer- oder Telefondraht, teils in Konservendosen verborgen, auf den Königstein gelangt sein. Daraus wurde ein Seil gefertigt, das für den Abstieg an der Felswand genutzt wurde.

Am 17. April 1942 ließ sich Giraud an einer Stelle zwischen Königsnase und Blitzeichenplateau mit Hilfe von Mitgefangenen durch eine Schießscharte an den Felsen hinab. In Berichten ist von einem etwa 50 Meter langen Seil die Rede, das mit Draht verstärkt war. Ein Holzstab diente dabei als Sitz für den Abstieg. Die Stelle war so gewählt, dass sie von Beobachtungsposten nicht direkt eingesehen werden konnte. Weil die Gefangenen nur in größeren Abständen gezählt wurden, blieb die Flucht zunächst unbemerkt.

Nach dem Abstieg zog Henri Giraud Zivilkleidung an und rasierte seinen Schnurrbart ab. Anschließend ging er nach Bad Schandau. Dort wartete nach mehreren Berichten ein Helfer mit einem gefälschten Ausweis auf ihn. Von dort aus setzte Giraud seine Flucht mit der Bahn fort. Um eine Verfolgung zu erschweren, reiste er quer durch Deutschland. Seine Deutschkenntnisse, die vorbereiteten Unterlagen und die veränderte Erscheinung halfen ihm dabei, Kontrollen zu überstehen. Nach mehreren Tagen erreichte Henri Giraud die Schweiz. Von dort gelangte er zurück nach Frankreich. Am 21. April 1942 setzten die deutschen Behörden eine Belohnung von 100.000 Reichsmark auf seine Ergreifung aus, die Gestapo erhielt den Befehl, Giraud zu töten.

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