Nach dem Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden stehen in Sachsen Brücken aus Hennigsdorfer Spannstahl unter besonderer Beobachtung. Das Material, das auch in der Carolabrücke verbaut war, gilt als anfällig für Spannungsrisse. Mehrere Bauwerke wurden oder werden wegen Schäden abgerissen. Die Kosten für die Ersatzbauten belaufen sich auf viele Millionen Euro.
Abriss an der A14 bei Grimma beginnt
Als nächstes trifft es eine kleinere Brücke über die Autobahn 14 bei Grimma. Dafür muss ab Freitagabend die Autobahn voll gesperrt werden. Die Brücke mit der Bezeichnung "21Ü2" zwischen Grottewitz und Würschwitz wies Risse auf, die sich vergrößert hatten. Der Abriss kostet rund 700.000 Euro und soll bis Sonntagmorgen dauern. Ein Neubau ist für 2028 geplant, mit Baukosten von etwa drei Millionen Euro, so die Autobahn GmbH.
B101-Brücke bei Großenhain bereits abgerissen
Die Brücke der Bundesstraße 101 bei Großenhain war die erste, die nach dem Kollaps der Carolabrücke im September 2024 abgerissen wurde. Ihre Standsicherheit war nicht mehr gegeben. Im Dezember 2024 wurde das Bauwerk demontiert. Seit vorigem Sommer läuft der Neubau. Ende des Jahres soll die Ersatzbrücke fertig sein. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr beziffert die Baukosten auf 6,8 Millionen Euro.
Agra-Brücke in Markkleeberg muss ersetzt werden
Dass die Brücke der Bundesstraße B2 durch den Agra-Park in Markkleeberg baufällig war, war schon lange bekannt. Eine Sonderprüfung nach dem Einsturz in Dresden ergab jedoch: Das Bauwerk aus den 1970er Jahren muss dringend ersetzt werden. Eine Seite der Brücke ist seit Frühjahr nicht mehr befahrbar, die andere wird provisorisch durch zusätzlich errichtete Stützen stabilisiert. Die Planungen für einen Ersatzneubau laufen. Er soll den Angaben zufolge rund 50 Millionen Euro kosten. Das Geld kommt vom Bund.
Zwei Brücken in Bad Schandau betroffen
In Bad Schandau trifft das Spannstahl-Problem gleich zwei Brücken: die Elbquerung und die Brücke über die Bahngleise. Die Elbebrücke war zeitweise voll gesperrt worden, darf aber inzwischen mit Einschränkungen für den Schwerlastverkehr wieder befahren werden und wird überwacht. Die Brücke über die Bahngleise muss ersetzt werden. Im Juni begann zunächst der Bau einer Behelfsbrücke. Allein die Kosten dafür beziffert das Landesamt auf sieben Millionen Euro.
Weitere Brücken unter Beobachtung
Nach dem Einsturz in Dresden hatte der Freistaat noch 15 weitere Brücken mit vergleichbarer Bauweise in seinem Zuständigkeitsbereich identifiziert. Dazu zählen unter anderem die Brücke über die Spree bei Uhyst, die Brücke der S190 über die Freiberger Mulde oder auch die Brücke der S68 über die Weiße Elster in Pegau. Bei einem Großteil dieser 15 Brücken laufen laut Landesamt noch Materialuntersuchungen und Berechnungen, um den Zustand endgültig zu bewerten.
Brücken über die A14: Elf Bauwerke geprüft
Auch in der Zuständigkeit der Autobahn GmbH des Bundes gibt es Brücken, bei denen jetzt engmaschiger geprüft wird. Das betrifft elf sogenannte Überführungsbauwerke der A14 zwischen Leipzig und Nossen. Sie wurden in Spannbetonfertigteilbauweise zwischen 1969 und 1972 errichtet. "Die Bauwerke weisen derzeit unterschiedliche Schadensbilder auf", teilte eine Sprecherin der Autobahn GmbH mit. Bis auf einen Fall gilt die Lage aktuell als unkritisch.
Bahnbrücke Machern: Ersatzneubau ab 2028
Auch in der Bahnbrücke Machern im Landkreis Leipzig ist Hennigsdorfer Spannstahl verbaut worden. Eine Prüfung ergab 2025 eine Verschlechterung des Zustandes, wie das Landratsamt in Borna mitteilte. Zudem wurde ein zeitnaher Ersatzneubau empfohlen. Der könnte frühestens im Sommer 2028 beginnen und soll geschätzte sieben Millionen Euro kosten. Der Kreistag beschloss, dass dafür Mittel aus dem Sachsenfonds verwendet werden sollen, also aus dem Sondervermögen Infrastruktur von Bund und Land.



