Eine im Rhein bei Oberwesel entdeckte Flaschenpost hat nach 68 Jahren ihre Absenderin preisgegeben. Die Verfasserin ist eine heute 90 Jahre alte Frau, die in der Eifel lebt. Dies bestätigte der Stadtbürgermeister von Oberwesel, Jan Zimmer. Die Frau war 1958 Schiffsköchin auf der Drachenfels, einem Ausflugsschiff, das zwischen Koblenz und Mainz verkehrte. Ihre Botschaft war auf die Rückseite einer damaligen Schiffsspeisekarte geschrieben.
Fund bei Bauarbeiten
Die Flasche wurde vor Kurzem bei Bauarbeiten in Oberwesel entdeckt. Sie lag jahrelang unentdeckt in der Erde, bevor sie ans Tageslicht kam. Die Nachricht enthielt den Wunsch nach Brieffreunden – ein typischer Zeitgeist der 1950er Jahre. „Ich war wirklich baff“, sagte Zimmer über den Fund. Doch die Identifizierung der Absenderin gestaltete sich schwierig.
Detektivarbeit mit Behördenhilfe
Die Adresse auf der Karte war nicht mehr aktuell: „Straßen wurden umbenannt, Orte eingemeindet und Nachnamen geändert“, so Zimmer. Mit Unterstützung des Einwohnermeldeamtes gelang es ihm schließlich, die Spur zu verfolgen. Die Tochter der Verfasserin meldete sich bei ihm. „Ich bin total überrascht, dass ich da tatsächlich jemanden gefunden habe“, sagte der Bürgermeister. Die 90-Jährige selbst könne sich nicht mehr genau an diese spezielle Flaschenpost erinnern. „Offenbar hat man früher öfter mal Flaschenpost reingeworfen“, vermutete Zimmer.
Keine Antwort erwartet
Die ehemalige Schiffsköchin habe damals wohl kaum mit einer Antwort gerechnet, als sie die Flasche über Bord warf. Dennoch ist die Botschaft nun nach Jahrzehnten angekommen. Der Brief soll im Stadtmuseum ausgestellt werden – möglicherweise auch am Rheinufer, falls sich dort im Zuge der Umbauarbeiten ein geeigneter Platz finde. Die Geschichte der Drachenfels und ihre Verbindung zur Flaschenpost wird so für die Nachwelt bewahrt.
Historischer Kontext
Die Drachenfels war in den 1950er Jahren ein beliebtes Fahrgastschiff auf dem Rhein. Die Speisekarte von 1958 ist ein Zeitzeugnis der damaligen Gastronomie an Bord. Flaschenposten waren damals keine Seltenheit, doch nur wenige werden nach so langer Zeit gefunden. Dieser Fund zeigt, wie sich die Region verändert hat: Die Adressdaten der Absenderin mussten mithilfe moderner Meldedaten rekonstruiert werden.



