Pflegekräfte in MV: 33 Fehltage im Jahr – Spitzenwert in Deutschland
Pflegekräfte in MV: 33 Fehltage – bundesweiter Spitzenwert

Pflegekräfte in Mecklenburg-Vorpommern waren im Jahr 2025 deutlich länger krankgeschrieben als ihre Kollegen in allen anderen Bundesländern. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, die auf der Auswertung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ihrer Versicherten basiert. Im Durchschnitt fehlten Pflegekräfte im Nordosten 33 Tage pro Jahr – das sind mehr als fünf Wochen. Zum Vergleich: Bundesweit kamen Pflegekräfte auf 27,8 Fehltage, alle Berufsgruppen zusammen auf 17,7 Tage.

Hohe Belastung als Hauptursache

Die Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, Manon Austenat-Wied, sieht die Ursache in der außergewöhnlich hohen Belastung der Pflegekräfte. „Pflegekräfte unterliegen in ihrem Tätigkeitsbereich einer starken physischen als auch psychischen Beanspruchung“, sagte sie in einer Pressemitteilung. Diese Doppelbelastung führe dazu, dass der Körper irgendwann nicht mehr mitspiele und Krankheiten häufiger und länger andauerten.

Besonders auffällig ist der Anteil psychischer Erkrankungen: Im Schnitt mussten Pfleger in Mecklenburg-Vorpommern wegen psychischer Leiden eine Woche lang mit der Arbeit aussetzen. Hinzu kamen jeweils gut sechs Tage wegen Erkrankungen des Atmungssystems sowie des Muskel-Skelett-Systems. Diese drei Diagnosegruppen machen zusammen bereits einen Großteil der Fehlzeiten aus.

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Demografischer Wandel verschärft das Problem

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist bundesweit bekannt, doch in Mecklenburg-Vorpommern kommt erschwerend die demografische Entwicklung hinzu. Die Bevölkerung im Nordosten ist im Schnitt älter als in vielen anderen Regionen, gleichzeitig wandern junge Menschen ab. Dadurch steigt der Pflegebedarf, während die Zahl der Beschäftigten stagniert oder sogar sinkt. Die verbleibenden Pflegekräfte müssen immer mehr Überstunden leisten und haben weniger Erholungsphasen – ein Teufelskreis, der sich direkt in den Krankheitszahlen niederschlägt.

Die TK-Studie zeigt auch, dass der Krankenstand in der Pflegebranche insgesamt über dem Durchschnitt aller Berufe liegt. Deutschlandweit fehlten Pflegekräfte 2025 rund zehn Tage mehr als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen. In Mecklenburg-Vorpommern ist diese Differenz mit gut 15 Tagen sogar noch größer. Das bedeutet: Eine Pflegekraft in MV ist im Schnitt fast doppelt so lange krankgeschrieben wie ein Beschäftigter in einem anderen Berufsfeld.

Folgen für die Versorgung

Die hohen Fehlzeiten haben direkte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Wenn Personal ausfällt, müssen Stationen notfalls geschlossen oder Betten reduziert werden. Für die verbleibenden Mitarbeiter steigt die Arbeitsbelastung weiter, was wiederum das Risiko für eigene Erkrankungen erhöht. Die TK fordert daher gezielte Maßnahmen zur Entlastung: mehr Personal, bessere Arbeitszeitmodelle und betriebliche Gesundheitsförderung.

Austenat-Wied betonte, dass es nicht allein um die Behandlung von Symptomen gehe. „Wir müssen die Arbeitsbedingungen in der Pflege grundlegend verbessern, damit die Beschäftigten gesund bleiben“, so die TK-Landeschefin. Dazu gehörten unter anderem mehr Wertschätzung, höhere Löhne und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch die Politik sei gefordert, langfristig für ausreichend Nachwuchs in Pflegeberufen zu sorgen.

Regionale Unterschiede

Die Studie offenbart zudem erhebliche regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands. Während Mecklenburg-Vorpommern beim Krankenstand der Pflegekräfte die Spitzenposition einnimmt, schneiden andere Bundesländer deutlich besser ab. In Bayern und Baden-Württemberg lagen die Fehltage beispielsweise unter dem Bundesdurchschnitt. Gründe dafür könnten eine bessere Personalausstattung, modernere Arbeitsplätze oder ein anderes Krankheitsverhalten sein, so die TK.

Die Techniker Krankenkasse hat für die Studie die Daten von rund 5,5 Millionen Versicherten ausgewertet, darunter zahlreiche Beschäftigte in Pflegeberufen. Die Erhebung gilt als repräsentativ für die gesetzlich Versicherten in Deutschland. Die Ergebnisse unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf, um die Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig zu verbessern und so nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, sondern auch die Versorgung der Bevölkerung langfristig zu sichern.

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