In seiner aktuellen Kolumne widmet sich Ullrich Fichtner einem unerwarteten Helden im Kampf gegen den Klimawandel: Algen. Lange Zeit als lästige Plage für Badegäste verschrien, entdecken Wissenschaftler und Unternehmen nun ihr enormes Potenzial zur Reduzierung von Treibhausgasen. Insbesondere in der Fleischproduktion, einer der klimaschädlichsten Branchen, könnten Algen eine Schlüsselrolle spielen.
Vom Störenfried zum Klimaretter
Algen sind für Urlauber oft ein Ärgernis – sie verfärben das Wasser, verursachen unangenehme Gerüche und können Hautreizungen hervorrufen. Doch die Wasserbewohner haben eine bemerkenswerte Eigenschaft: Sie produzieren durch Photosynthese enorme Mengen an Sauerstoff. Schätzungen zufolge stammen mehr als 50 Prozent des weltweiten Sauerstoffs aus Algen. Nun wird diese Fähigkeit genutzt, um die schädlichen Abgase der Fleischindustrie zu neutralisieren.
„Die unbeliebten Wasserbewohner produzieren massenhaft Sauerstoff. Jetzt werden sie dafür benutzt, die Abgase der Fleischproduktion zu entschärfen“, schreibt Fichtner in seiner Kolumne vom 29. Juli 2026. Die Idee: Algenkulturen in speziellen Bioreaktoren filtern Kohlendioxid und andere Schadstoffe aus den Abgasen von Schlachthöfen und Mastanlagen. Dabei wandeln die Algen das CO2 in Biomasse um, die wiederum als Tierfutter oder Dünger genutzt werden kann.
Technische Umsetzung und erste Erfolge
Erste Pilotprojekte zeigen vielversprechende Ergebnisse. In Niedersachsen testet ein landwirtschaftlicher Betrieb bereits eine solche Anlage. Die Algen wachsen in geschlossenen Röhrensystemen, die direkt an die Abgasrohre der Stallanlagen angeschlossen sind. Messungen zufolge kann die Anlage bis zu 80 Prozent der CO2-Emissionen einfangen. „Das ist ein Gamechanger für die Branche“, kommentiert ein beteiligter Forscher. Die gewonnene Algenbiomasse wird anschließend getrocknet und als proteinreiches Futterzusatzmittel verkauft, was die Betriebskosten senkt.
Fichtner betont, dass Algen nicht nur CO2 binden, sondern auch andere Schadstoffe wie Stickoxide und Ammoniak aus der Luft filtern können. Diese Stoffe sind typische Begleiterscheinungen der industriellen Tierhaltung und belasten Umwelt und Anwohner. Algen könnten hier eine natürliche und kosteneffiziente Lösung bieten.
Kritische Stimmen und Herausforderungen
Trotz der Euphorie gibt es auch skeptische Töne. Kritiker weisen darauf hin, dass die Algenzucht selbst Energie und Ressourcen benötigt. Zudem sei die Skalierung der Technologie auf die gesamte Branche schwierig. Dennoch überwiegen laut Fichtner die Vorteile: Algen wachsen schnell, benötigen keine landwirtschaftlichen Flächen und können auch in ariden Regionen kultiviert werden. „Algen sind die unterschätzten Superhelden des Klimaschutzes“, so der Kolumnist.
Ausblick: Algen als Teil der Klimastrategie
Die Kolumne von Ullrich Fichtner zeigt, dass unkonventionelle Ansätze oft die größten Chancen bieten. Wenn es gelingt, die Algen-Technologie flächendeckend in der Fleischproduktion zu etablieren, könnte dies einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen leisten. Gleichzeitig bleibt die Reduzierung des Fleischkonsums ein wichtiger Hebel. Algen allein werden das Klima nicht retten, aber sie können einen wertvollen Baustein liefern.
Für Badeurlauber mag die Vorstellung, dass Algen nun als Retter gefeiert werden, befremdlich sein. Doch Fichtner erinnert daran, dass die Natur oft überraschende Lösungen bereithält. Vielleicht werden Algen bald nicht nur in den Meeren, sondern auch in den Schornsteinen der Fleischindustrie eine wichtige Rolle spielen – zum Wohle des Klimas.



