Augsburg will Igel besser schützen und verpflichtet Besitzer von Mährobotern, ihre Geräte künftig in der Nacht nicht mehr einzusetzen. Die neue Regelung tritt zum 1. Juni 2025 in Kraft und gilt für die gesamte Stadt. Damit reagiert die Kommune auf die zunehmende Gefahr, die von den automatischen Rasenmähern für die stacheligen Tiere ausgeht.
Hintergrund: Mähroboter als tödliche Gefahr für Igel
Mähroboter sind für Igel besonders gefährlich, weil die Tiere bei Gefahr nicht fliehen, sondern sich einrollen. Die scharfen Klingen der Geräte können dann schwere Verletzungen verursachen, die oft tödlich enden. Nach Angaben der Stadt Augsburg wurden in den vergangenen Jahren immer wieder verletzte Igel aufgefunden, die nachweislich mit Mährobotern kollidiert waren. Die genaue Zahl der betroffenen Tiere ist nicht bekannt, aber Tierschutzorganisationen schätzen, dass deutschlandweit jährlich mehrere tausend Igel durch Mähroboter verletzt oder getötet werden.
Die neue Regelung im Detail
Die neue Verordnung sieht vor, dass Mähroboter in der Zeit von 20 Uhr abends bis 7 Uhr morgens nicht mehr betrieben werden dürfen. Diese Zeitspanne deckt sich mit der nächtlichen Aktivitätsphase der Igel, in der sie auf Nahrungssuche gehen und dabei häufig durch Gärten streifen. Verstöße gegen das nächtliche Mähverbot können mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Die Stadt appelliert außerdem an die Bürger, ihre Mähroboter auch tagsüber nur unter Aufsicht einzusetzen und die Geräte mit einem sogenannten Igel-Schutzmodul nachzurüsten, das die Sensoren so schärft, dass kleine Tiere erkannt werden.
Reaktionen: Tierschützer begrüßen, Hersteller kritisieren
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Augsburg begrüßt die Entscheidung. „Das ist ein wichtiger Schritt, um unsere Igelpopulation zu schützen. Wir hoffen, dass andere Städte diesem Beispiel folgen“, sagte die örtliche BUND-Sprecherin Martina Weber. Auch der Deutsche Tierschutzbund lobt die Initiative: „Nachtruhe für Mähroboter ist ein einfaches und effektives Mittel, um Igel zu schützen. Wir fordern eine bundesweite Regelung.“
Die Hersteller von Mährobotern sehen die Verordnung kritisch. Sie verweisen darauf, dass moderne Geräte bereits über Sensoren verfügen, die Kollisionen mit Tieren vermeiden sollen. Ein Sprecher des Branchenverbands „Mähroboter-Hersteller Deutschland“ erklärte: „Unsere Geräte sind sicher, wenn sie richtig eingestellt sind. Ein generelles Nachtverbot ist unnötig und schränkt die Nutzer ein.“ Die Stadt hält dagegen: Die Sensoren seien nicht zuverlässig genug, um Igel zuverlässig zu erkennen, insbesondere bei Dunkelheit.
Auswirkungen auf die Bürger
Für die Augsburger bedeutet die Regelung, dass sie ihre Mähroboter nicht mehr unbeaufsichtigt in der Nacht laufen lassen dürfen. Die Stadt empfiehlt, die Geräte so zu programmieren, dass sie ihre Arbeit tagsüber erledigen. Wer dennoch nachts mähen möchte – etwa weil er berufstätig ist und tagsüber keine Zeit hat – muss damit rechnen, dass Nachbarn die Polizei informieren. Die Stadt kündigte an, die Einhaltung der Verordnung durch Kontrollen im Stadtgebiet zu überwachen.
Weitere Maßnahmen zum Igelschutz
Die neue Regelung ist Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets, das die Stadt Augsburg zum Schutz von Igeln beschlossen hat. Dazu gehören auch die Anlage von Wildblumenwiesen und das Aufstellen von Igelhäusern in öffentlichen Parks. Zudem sollen Bürger informiert werden, wie sie ihren Garten igelfreundlicher gestalten können – etwa durch das Anlegen von Laubhaufen oder das Vermeiden von Pestiziden. Die Stadtverwaltung arbeitet außerdem mit örtlichen Tierschutzvereinen zusammen, um verletzte Igel schnell zu versorgen.
Bundesweite Diskussion
Mit der Verordnung nimmt Augsburg eine Vorreiterrolle ein. In anderen Städten wie Hamburg und München gibt es bereits ähnliche Überlegungen, jedoch noch keine konkreten Beschlüsse. Tierschützer fordern eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat sich bislang nicht geäußert. Die Stadt Augsburg hofft, dass ihr Beispiel Schule macht und andere Kommunen nachziehen.



