Die Flüsse in Bayern führen derzeit so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht. Interaktive Karten des Bayerischen Landesamts für Umwelt zeigen, dass viele Pegelstände auf Rekordtiefs gesunken sind. Betroffen sind vor allem kleinere Flüsse und Bäche, aber auch der Main und die Donau weisen deutlich niedrigere Wasserstände auf als üblich.
Aktuelle Pegelstände im Vergleich
Laut den Daten des Landesamts für Umwelt liegen die Wasserstände vieler bayerischer Flüsse derzeit unter dem langjährigen Durchschnitt. An einigen Messstationen wurden die niedrigsten Werte seit Beginn der Aufzeichnungen registriert. Beispielsweise führt der Main bei Würzburg derzeit nur noch etwa 1,20 Meter Wasser, während der normale Durchschnitt bei etwa 2,50 Metern liegt. Auch die Donau bei Ingolstadt verzeichnet einen Pegelstand von nur 3,80 Metern – normal wären hier etwa 5,20 Meter.
Besonders dramatisch ist die Lage an kleineren Gewässern wie der fränkischen Saale oder der Iller. Hier sind die Wasserstände teilweise um über 70 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel gesunken. Die Ursache ist eine anhaltende Trockenheit, die bereits seit Monaten anhält. Im Frühjahr und Frühsommer fiel deutlich weniger Regen als üblich, zudem war es überdurchschnittlich warm.
Auswirkungen auf Schifffahrt und Ökologie
Die niedrigen Wasserstände haben weitreichende Folgen. Die Schifffahrt auf dem Main und der Donau ist bereits eingeschränkt, mehrere Frachtschiffe müssen ihre Ladung reduzieren oder können die Strecke gar nicht mehr befahren. Auch für die Ökologie sind die Bedingungen kritisch: Fische und andere Wasserlebewesen leiden unter dem sinkenden Sauerstoffgehalt und den steigenden Wassertemperaturen.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt warnt vor einer weiteren Verschärfung der Lage, sollten die Temperaturen hoch bleiben und der Regen ausbleiben. „Wir beobachten eine außergewöhnliche Situation, die in dieser Ausprägung selten vorkommt“, erklärte ein Sprecher der Behörde. Die Behörde hat daher interaktive Karten veröffentlicht, auf denen Bürgerinnen und Bürger die aktuellen Pegelstände aller bayerischen Flüsse einsehen können.
Karten zeigen kritische Zonen
Die interaktiven Karten sind auf der Website des Landesamts für Umwelt verfügbar. Sie zeigen für jede Messstation den aktuellen Wasserstand im Vergleich zum langjährigen Mittel. Rote Markierungen kennzeichnen Stationen mit kritisch niedrigen Werten. Aktuell sind weite Teile Nordbayerns, insbesondere Unterfranken und Oberfranken, betroffen. Aber auch in Südbayern, etwa an der Isar und am Lech, sind die Wasserstände deutlich gesunken.
Die Karten werden täglich aktualisiert und bieten eine Fülle an Daten, die auch für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Notfallplanung genutzt werden können. Die Behörde empfiehlt, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und Wasser sparsam zu verwenden.
Klimawandel als treibende Kraft
Experten sehen einen direkten Zusammenhang zwischen den niedrigen Wasserständen und dem Klimawandel. „Die Zunahme von Trockenperioden ist eine direkte Folge der Erderwärmung“, sagt Dr. Martin Weber, Hydrologe an der Universität München. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche extremen Niedrigwasserphasen häufiger auftreten werden.“
Die bayerische Staatsregierung hat bereits Maßnahmen angekündigt, um die Wasserversorgung langfristig zu sichern. Dazu gehören der Ausbau von Wasserspeichern und die Förderung von Maßnahmen zur Grundwasseranreicherung. Doch bis diese greifen, bleibt die Lage angespannt.
Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, den Wasserverbrauch zu reduzieren und die aktuellen Hinweise der Behörden zu beachten. Insbesondere in der Landwirtschaft wird empfohlen, Bewässerungstechniken zu optimieren und auf trockenheitsresistente Pflanzen umzusteigen.



