Berliner Bezirke fühlen sich im Kampf gegen Eichenprozessionsspinner allein gelassen
Berliner Bezirke fühlen sich im Stich gelassen

Die Enttäuschung unter den Berliner Bezirken nach dem jüngsten Krisentreffen mit dem Senat ist groß. Auf der Agenda stand die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners, der in der gesamten Stadt für Ärger sorgt. „Ich bin definitiv enttäuscht. So kriegen wir das Problem nicht in den Griff. Wir brauchen Geld, eine städtische Steuerung, die Erlaubnis zum Einsatz von Bioziden und Nematoden – nur mit Absaugen der Bäume kriegen wir das nicht hin“, erklärte Spandaus Grünflächenstadtrat Thorsten Schatz (CDU) nach dem Treffen. Er hatte zuvor im Tagesspiegel mehr Unterstützung des Senats für die Bezirke gefordert, was später in einem gemeinsamen Brief aller Bezirke mündete.

Krisentreffen ohne Ergebnisse

Die Stadträte, Fachleute und Staatssekretäre tagten anderthalb Stunden per Videokonferenz. Die Ämter erhofften sich Finanzhilfen und konkrete Lösungsansätze. Doch Neues gab es dem Vernehmen nach nicht. „Anderthalb Stunden verlorene Lebenszeit“, schimpfte Charlottenburg-Wilmersdorfs Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) im RBB. Der Frust zog sich durch mehrere Bezirke, darunter Spandau, Lichtenberg und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Den Fachleuten wurde lediglich ein Vortrag des Pflanzenschutzamtes über den Eichenprozessionsspinner präsentiert. Der Senat bot zudem einen Newsletter mit zusätzlichen Tipps an. Eine Einstufung als Gesundheitsgefahr, die den Einsatz wirksamerer Bekämpfungsmittel erlaubt hätte, erfolgte nicht. Ohne bezirksübergreifende und schärfere Maßnahmen droht die Plage nun ins nächste Jahr überzugehen. „Die Raupen verpuppen sich im Juli und fliegen dann als Falter davon, um ihre Eier für das kommende Jahr abzulegen. Sie können bis zu fünf Kilometer weit fliegen! Dann treffen wir uns 2027 alle wieder. Das Thema ist für uns daher nicht durch. Wir sammeln jetzt erneut Fragen und schreiben nächste Woche wieder an die drei Senatorinnen und Senatoren“, so Stadtrat Schatz.

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Unterschiedliche Betroffenheit in den Bezirken

„Die Lage in äußeren Bezirken ist eine ganz andere als in der Innenstadt“, berichten Beteiligte der Runde. Besonders schlimm sei die Situation in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo die Ergebnisse des Videocalls ebenfalls deutlich kritisiert wurden. Auch Reinickendorf und Treptow-Köpenick seien hart getroffen. Aus dem Rathaus Lichtenberg schimpft Stadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne): „Die Bezirke handeln mit großem Engagement und erheblichem Aufwand. Was fehlt, ist eine gemeinsame Strategie des Landes Berlin. Wir erwarten, dass der Senat seiner gesamtstädtischen Verantwortung gerecht wird.“

Ein Staatssekretär des Berliner Senats verwies im Videocall auf eine öffentlich einsehbare Liste mit über 30 Firmen, die Nester absaugen. Diese Firmen können nun von den Bezirken kontaktiert werden, sofern das Vergaberecht und leere Bezirkskassen nicht dagegensprechen. Ein Bezirk kann jedoch nur Aufträge bis zur Bezirksgrenze vergeben.

Finanzielle Not und hohe Belastung

„Die Lage ist so schlimm, dass wir derzeit ausschließlich die Bäume an unseren Schulen absaugen können – keine Kita, kein Spielplatz, kein Straßenbaum“, berichtet Spandaus Stadtrat Schatz. Allein an der Schule an der Jungfernheide wurden über 2000 Nester abgesaugt, an der Robert-Reinick-Grundschule (beide Siemensstadt) über 1000 Nester. Befallen waren dort insgesamt 200 Bäume.

Firmen klagen über Gesundheitsprobleme bei ihren Mitarbeitern. „Die Firmen klagen mittlerweile selbst über Gesundheitsprobleme der Mitarbeiter“, so Stadtrat Schatz über die schweißtreibende Arbeit mit hohen Kränen und Ganzkörperschutzanzügen bei der Hitze. Die Kosten für den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner liegen in einigen Bezirken bei „über 500.000 Euro“, wie die Bezirke in ihrem Brief beklagten. Zum Vergleich: Der Investitionsetat für die Grünflächenpflege des kompletten Bezirks Spandau beträgt zwei Millionen Euro. Schatz nannte sogar eine noch höhere Summe: „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr bei einer Gesamtsumme von 600.000 Euro landen werden.“ Das Geld fehlt dann an anderer Stelle.

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Die Bekämpfung mit Bioziden würde in einem Grünflächenbezirk wie Spandau nach ersten Schätzungen zusätzliche Kosten von 200.000 Euro verursachen. Während des Sprüheinsatzes müssten Parks aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden („etwa acht Stunden lang“), was weitere Kosten für Absperrmaßnahmen nach sich zöge.

Senat sieht sich nicht in der Pflicht

Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) hingegen betonte, die Bezirke hätten frühzeitig Informationen zum Umgang mit den Gefahren durch Eichenprozessionsspinner erhalten. Für die kommenden Jahre sollen am Beispiel der Jungfernheide „Lösungsansätze“ zur Bekämpfung der Raupe entwickelt werden, so der RBB. Dabei solle kein Gift zum Einsatz kommen. Die Raupe solle weiterhin abgesaugt, verklebt oder mit einem Bakterium bekämpft werden.