Der Brand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern hat sich auf eine Fläche von 320 Hektar ausgebreitet und zählt zu den größten Waldbränden der vergangenen Jahre in dem Bundesland. Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz, der mit Altmunition belastet ist, erschweren nicht explodierte Kampfmittel wie Panzerabwehrminen die Löscharbeiten erheblich. Die Feuerwehr kann nicht direkt an die Brandherde heranrücken, sondern versucht, das Feuer von außen einzudämmen.
Behörden zeigen sich zuversichtlich trotz schwieriger Bedingungen
Umweltminister Till Backhaus (SPD) äußerte sich am Donnerstag in Kratzeburg optimistisch: Die Einsatzkräfte seien überzeugt, „dass sie das voll im Griff haben“. Ein Katastrophenfall sei nicht ausgerufen worden und solle auch nicht ausgerufen werden. Backhaus verwies auf die Wetteraussichten: Regen und nachlassender Wind seien angekündigt. „Wir hoffen sehr auf die Witterung.“ Auch Landrat Thomas Müller (CDU) des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte zeigte sich optimistisch. Die evakuierten Bewohner der Ortschaft Granzin könnten zuversichtlich sein, dass ihr Hab und Gut erhalten bleibe. „Eine echte Gefahr besteht nach jetziger Einschätzung nicht.“
Eingeschränkte Löschmöglichkeiten wegen Altmunition
Wegen der Kampfmittel im Boden, darunter Panzerabwehrminen, kann die Feuerwehr nicht direkt an den Brand heran. Stattdessen wird das Feuer von außen eingedämmt, unter anderem mit Kreisregnern, die normalerweise zur Bewässerung eingesetzt werden. Unterstützung kommt aus Bayern: 20 Kameradinnen und Kameraden bringen nicht nur solche Wassersprenger mit, sondern auch einen Schlauchwagen mit insgesamt 2000 Meter langen Schläuchen. Backhaus betonte, dass noch 81 Jahre nach Kriegsende Kampfmittel im Nationalpark lägen, was zu einer „echt komplizierten Lage“ führe. Er appellierte an die Bundesregierung, zusätzliche Mittel für die Munitionsbergung bereitzustellen.
Munition explodiert beständig – Brandursache unklar
Offiziellen Angaben zufolge explodiert derzeit „beständig“ Munition auf dem Brandgebiet. Die Brandursache war am Donnerstagmittag weiter unklar. Möglich seien Brandstiftung oder eine Selbstentzündung der Munition. Ein ABC-Erkunder des Katastrophenschutzes ist im Gelände unterwegs, um giftige Gase wie Phosphor aus der Munition zu messen. Der Landkreis versicherte, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe.
Evakuierung von Granzin bleibt bestehen
Die bereits am Dienstagabend angeordnete Evakuierung der Orte Granzin und Granziner Mühle bleibt aufrechterhalten. Granzin hat laut Website der Gemeinde Kratzeburg etwas mehr als 100 Einwohner. Das Feuer bewegt sich nach Angaben eines Landkreissprechers weiter in Richtung Granzin. Zwischen Waldgrenze und Siedlung wurde ein Acker mehrfach umgepflügt, um brennbares Material unter die Erde zu bringen, und es wurden Kreisregner aufgestellt. Gemeldet wurde der Brand am Montag. Hoffnung auf nennenswerten Regen gibt es erst gegen Ende der Woche. Der Einsatz werde noch Tage dauern. Die Polizei bittet erneut, Rad- und Wanderwege im betroffenen Bereich nicht zu nutzen, und Kanuten sollten nicht von den Seen in die Havel wechseln.



