Umstrittene Walumsetzung: Buckelwal „Timmy“ lebte nach Aussetzung womöglich noch fünf Tage
Schwerin/Anholt. Die spektakuläre Rettungsaktion der Walkuh in Nord- und Ostsee sorgte für Diskussionen – doch das Schicksal des Tieres wirft viele Fragen auf. Von Jonas Stein, Online-Redakteur 12.06.2026, 10:38 Uhr
Der als „Timmy“ bekannt gewordene Buckelwal wurde in einem gefluteten Lastschiff transportiert von der Ostsee in die Nordsee gebracht. © Philip Dulian/dpa | Philip Dulian
Der Buckelwal, der mehrfach an Ostseeküsten gestrandet und in einer umstrittenen Aktion in die Nordsee gebracht worden war, hat nach seiner Freisetzung mutmaßlich noch bis zum 6. oder 7. Mai gelebt. Das geht aus den Daten des Senders hervor, den das Tier zuletzt trug, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) in Schwerin mitteilte. Der Wal war am 2. Mai in der Nordsee freigesetzt worden.
Walkuh Timmy: Buckelwal wurde vor Poel gerettet und ins Skagerrak umgesetzt
Der Sender war an dem geschwächten Tier befestigt worden, kurz bevor es in die Nordsee gesetzt wurde. Der Wal hatte lange vor der mecklenburgischen Küste vor der Insel Poel gelegen. Eine Privatinitiative transportierte ihn mit einem Lastkahn Richtung Nordsee, etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt wurde er im Skagerrak ausgesetzt.
Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde der oft „Timmy“ genannte Buckelwal – ein Weibchen – tot an der dänischen Insel Anholt angespült. Wie lange er da schon tot war, konnte nicht gesagt werden. Wie Backhaus weiter mitteilte, hatte sich das in der Nordsee freigesetzte Tier laut Senderdaten allerdings wieder in Richtung Ostsee bewegt. Anholt liegt im dänischen Kattegat, dem Übergangsbereich zwischen Ost- und Nordsee.
Nach Verlautbarung der Initiative waren anfangs zumindest einige Bewegungsdaten wie Tauchtiefen erfasst worden. Ortsdaten hatte das Gerät demnach nie geschickt, wohl, weil es vorab nicht wie eigentlich vorgesehen getestet und initialisiert wurde. Vitalzeichen im medizinischen Sinne wie Herz- oder Atemfrequenz erfasste der Sender gar nicht, dafür wäre spezielle Sensorik nötig gewesen. Eigentlich hätten die Senderdaten direkt nach der Freisetzung ans Ministerium geliefert werden sollen, so die Absprache.
Rettungsmission in der Kritik: Freisetzung und Obduktion sorgten für Wirbel
An der Art und Weise der Freisetzung gab es im Nachhinein große Kritik: Dem Vernehmen nach könnte das Walweibchen an der Fluke mit großem Kraftaufwand herausgezogen worden sein. Die genaue Todesursache des Meeressäugers ist allerdings noch nicht bekannt. Ob diese überhaupt noch ermittelt werden kann, ist fraglich. Denn das tote Tier lag über mehrere Wochen hinweg am Strand von Anholt. Dort wurde es dann erst vergangene Woche obduziert.
Ebenfalls fraglich war, ob die Rettungsmission im Ganzen überhaupt Chancen auf einen Erfolg haben könnte. Viele Walexperten hatten bereits vorab vermutet, dass die Walkuh sich nicht grundlos in der Ostsee verirrt habe und mehrfach gestrandet sei. Die Vermutung, das Tier werde ohnehin bald sterben, wurde des Öfteren geäußert. jcst mit dpa



