Ein Design mit tödlichem Widerspruch
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat kürzlich Entwürfe für neue Eurobanknoten vorgestellt, über die alle EU-Bürger:innen bis Jahresende abstimmen können. Zur Wahl stehen zwei Themen, eines davon: Vögel und Flüsse Europas. Laut EZB symbolisieren sie Naturverbundenheit und Grenzenlosigkeit. Doch ein genauer Blick auf die Rückseiten offenbart einen eklatanten Denkfehler: Dort prangen das kreisrunde Europaparlament, die massive EU-Kommission und der Turm der EZB in Frankfurt am Main.
Die Glasfassade des EZB-Towers, ein markanter Teil der Frankfurter Skyline, spiegelt die Wolken wider, als sei er Teil des Himmels. Genau das ist das Problem: Für Vögel sind solche Glas- und Stahlkolosse tödliche Fallen. Schätzungsweise 18 bis 100 Millionen Vögel sterben allein in Deutschland jährlich durch Kollisionen mit Glasfassaden – etwa so viele wie durch Hauskatzen (25 bis 100 Millionen). Zum Vergleich: An Windrädern verenden schätzungsweise 100.000 Vögel pro Jahr.
Ein Symbol für Ignoranz
Die Kombination aus Vogelmotiven auf der Vorderseite und tödlichen Glasbauten auf der Rückseite wirkt wie ein Sinnbild unserer klima- und umweltvergessenen Zeit. „Grenzenlosigkeit? Nicht für die Abgebildeten. Naturverbundenheit? Wer diese Motive gewählt hat, hat sich mit der Lebensrealität wilder Tiere offenbar lange nicht mehr beschäftigt“, kommentiert Caroline Ring. Vögel seien schön, solange sie nur Bilder sind – das symbolisieren die neuen Scheine.
Dabei ließe sich Vogelschlag an Glasfassaden leicht verhindern – etwa mit Klebepunkten. Deren einziger Nachteil: Sie gelten als unschön. Im EZB-Turm hat man immerhin erste Maßnahmen ergriffen: Zimmerpflanzen wurden von den Fenstern entfernt, da sie Vögel anlocken und ihnen eine freie Flugbahn suggerieren.
Monitoring als erster Schritt
Seit 2025 erfasst die EZB erstmals, wie viele Vögel an ihrer Fassade sterben. Ein „Monitoringprogramm“ soll laut EZB-Sprecher „Erkenntnisse über das Ausmaß und die räumliche Verteilung von Vogelkollisionen“ liefern. Dies könne „gegebenenfalls erforderliche weitere Maßnahmen zur Risikominderung begründen“. Konkrete Zahlen nennt die EZB noch nicht – erste Ergebnisse werden in den kommenden Monaten erwartet.
Ein Anfang trotz Widersprüchen
So bürokratisch das klingen mag, es ist ein Anfang. Und auch wenn die Widersprüche offensichtlich sind, haben Vögel auf Banknoten durchaus ihre Berechtigung: Sie schärfen das Bewusstsein für die Natur. „Ich bin deshalb trotz der Widersprüche für die Vogelmotive“, sagt Caroline Ring. Die Abstimmung über die neuen Euroscheine läuft noch bis Jahresende – eine Gelegenheit, über den Umgang mit der Natur nachzudenken.



