Mit feuchten Augen steht Didier Monchaux vor den Überresten seines Landes in Lanton bei Bordeaux. Schätzungsweise 95 Prozent seiner Anbaufläche haben die Flammen zerstört. „Man sagt, das Feuer ist ein Monster“, sagt der 76-Jährige. „Das stimmt. Alles ist dahin.“ Der Waldbauer ist wütend, traurig – und bereit, weiterzukämpfen.
Monchaux und seine Frau Françoise besitzen rund 140 Hektar Wald im westfranzösischen Lanton. Das Gelände hat eine lange Familientradition: Schon die Eltern seiner Frau haben hier gewirtschaftet. Mit dem Verkauf von Bäumen an die Papier- und Holzindustrie verdiente die Familie ihren Lebensunterhalt. Eigentlich sollte der Wald später einmal an die Urenkel gehen. Doch nun ist die Zukunft ungewiss.
Ein Waldbauer verliert fast alles
„Das ist nicht wie bei einem Weizenfeld. Nach einem Jahr können sie dort abernten. Wir müssen 40 Jahre warten und nun liegt alles am Boden. Entweder fangen wir also von vorn an oder wir hören komplett auf“, erklärt Monchaux. Er spricht von schwierigen Entscheidungen, die nun anstehen.
Als die Flammen die Nachbarorte von Lanton erreichten, zögerte der 76-Jährige nicht. Monchaux ist Mitglied im örtlichen Verband zur Waldbrandbekämpfung DFCI und soll dort normalerweise beraten, wie sich Wälder gegen Brände schützen lassen. Doch an diesem Tag packte er selbst mit an: Mit seinem Truck fuhr er ins Brandgebiet und half als Freiwilliger.
Rettung von Haus und einem Stück Wald
Der Brand erreichte schließlich auch Lanton. Eine Nacht verließen Monchaux und seine Frau ihr Gelände, am Morgen kehrten sie zurück. Seitdem seien sie im Dauereinsatz, sagt der Waldbauer. Ihrer beider Haus und ein kleines Stück Wald konnten die Feuerwehrleute retten. „Damit diese grüne Lunge grün bleibt, machen wir keine Pause, gar keine. Wir sind die ganze Nacht und den ganzen Tag im Einsatz, die ganze Zeit.“
Monchaux ist mit seinem Engagement nicht allein. Unzählige Freiwillige ziehen derzeit durch die Wälder, laden Wassertanks auf Geländewagen und fahren auf eigene Faust los, um zu retten, was zu retten ist. Die Tausenden Feuerwehrleute können nicht überall gleichzeitig sein, und viele Einsatzkräfte begrüßen die Unterstützung oder arbeiten direkt mit den Freiwilligen zusammen.
Freiwillige aus ganz Frankreich unterwegs
Auch die Organisation Mission Trekkeurs ist mit sieben Freiwilligen im Einsatz. Mehr als sechs Stunden sind sie angereist, statt Urlaub zu machen, um den Feuerwehrleuten zu helfen. Mit mehreren Wasserpumpen füllen sie Tanks und Schläuche neu, löschen aber auch selbst kleine Brandstellen am Boden, an denen immer wieder Rauch aufsteigt. „Es ist immerhin die Zukunft unserer Kinder, die auf dem Spiel steht“, sagt die 50-jährige Maud. „Wenn ihre Kinder zu brennen drohen, was machen Sie dann?“
Der Waldbrand bei Bordeaux ist für Monchaux ein besonderer Fall. Das Feuer habe sich nicht nur über die Baumwipfel ausgebreitet, sondern sei auch in den Boden gekrochen. „Man könnte sagen, es sucht Fressen“, sagt er. In Wurzeln und Baumstämmen schreite das Feuer voran und flamme plötzlich wieder auf. „Wir haben das Steuer nicht in der Hand.“
Im Einsatz ohne offiziellen Auftrag
Als DFCI-Angehöriger gilt für Monchaux eigentlich die Regel: erst dann einschreiten, wenn die Feuerwehr bereits vor Ort war und der Brand gelöscht ist. „Wir sollen nicht am Feuer im Einsatz sein“, erklärt der Rentner. Doch diese Vorgabe habe in der Not keine Rolle gespielt. „Hier, ob wir oder die Freiwilligen es waren, wir waren am Feuer. Wir haben uns in Gefahr gebracht.“
Für ihn war das eine Selbstverständlichkeit. „Das ist unser Zuhause, das ist unser Erbe. Wenn ihre Kinder zu brennen drohen, was machen Sie dann? Sagen Sie sich, dazu habe ich kein Recht? Nein, wir waren dort.“ Der erste Lanzenschlag, für den es keine offizielle Erlaubnis gab, sei von ihm und den anderen Freiwilligen gekommen. Oft hätten die freiwilligen Helfer bereits mit dem Löschen begonnen, bevor die Feuerwehr eingetroffen war.
42.000 Hektar sind betroffen
Der Brand bei Bordeaux hat eine Fläche von 42.000 Hektar erfasst – das entspricht ungefähr der Größe des Stadtstaates Bremen. Inzwischen ist der Brand weitgehend in Schach gehalten, doch gelöscht ist er aus Sicht von Monchaux noch lange nicht. Auch emotional wird ihn die Katastrophe wohl noch lange begleiten. „Es gibt das Davor, es gibt die Katastrophe und es gibt das Danach. Wie soll man danach emotional damit umgehen?“, fragt der Senior. „Es wird hart sein.“
Wütende Stimmen nach der Katastrophe
Der Waldbauer macht sich nicht nur Sorgen um die Zukunft, sondern ist auch wütend auf die politisch Verantwortlichen. „Haben wir das nötige Material, um die Feuer zu bekämpfen? Ich bin überzeugt, dass es nicht so ist“, sagt Monchaux. Politiker müssten Entscheidungen treffen und dafür geradestehen. „Wenn wir eine Dummheit begehen, zahlen wir dafür, und ich habe den Eindruck, dass sie nicht dafür zahlen müssen, und das stört mich ein bisschen.“
Auch der betroffene Landwirt Laurent macht seiner Wut Luft. Er hat durch die Flammen Felder, landwirtschaftliche Geräte und Schuppen verloren. Die Regierung habe zu wenige Canadair-Löschflugzeuge bestellt, lautet sein Vorwurf. Ohne ausreichende Luftunterstützung sei die Brandbekämpfung von Beginn an nicht konsequent möglich gewesen.
Le Porge erwägt Klage
Besonders gespannt ist die Lage in Le Porge, der am schwersten verwüsteten Gemeinde der Region. Einige Einwohner wollen juristisch gegen den Staat vorgehen. Sie sind überzeugt, dass ihr Ort geopfert wurde, um das schicke Touristenziel Cap Ferret zu retten. Die französische Regierung weist diese Vorwürfe zurück. Doch das Misstrauen in der Bevölkerung wird wohl deutlich länger brennen als das Feuer selbst.



