Seit Tagen kämpfen rund 400 Einsatzkräfte gegen einen Flächenbrand im Müritz-Nationalpark auf dem Gebiet eines ehemaligen Truppenübungsplatzes. Die Brandfläche hat sich auf 318 Hektar ausgedehnt, was etwa 445 Fußballfeldern entspricht. Die Löscharbeiten werden durch massive Munitionsbelastung im Boden erheblich erschwert. Immer wieder sind starke Detonationen zu hören, darunter eine sehr schwere, die laut Landrat Thomas Müller (CDU) vermutlich auf panzerbrechende Munition zurückzuführen ist.
Unterstützung aus der Luft und aus anderen Bundesländern
Bundeswehr-Hubschrauber vom Typ CH-53, die jeweils bis zu 5.000 Liter Wasser transportieren können, sind im Einsatz, um die Flächen zu vernässen und das Feuer einzudämmen. Aufgrund der Munitionsbelastung gilt ein Sicherheitsabstand von mindestens 1.000 Metern am Boden und in der Luft. Die Hubschrauber beziehen Löschwasser aus dem Granziner See, dem Käbelicksee und dem Pagelsee. Zudem haben Feuerwehren aus Sachsen, Brandenburg und Bayern Unterstützung zugesagt. Aus Bayern trafen 36 Einsatzkräfte mit 15 Fahrzeugen und 72 Kreisregnern ein, die zunächst bis Sonntag helfen sollen.
Evakuierung und Gefährdungslage
Der starke Wind hat die Ausbreitung des Feuers beschleunigt, das sich vor allem nach Süden und Osten ausbreitet. Der Ortsteil Granzin wurde vorsorglich evakuiert, während Krienke derzeit nicht betroffen ist. Nach Angaben des Landkreises sind keine Wohnhäuser unmittelbar gefährdet. Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) betonte bei einer Pressekonferenz: "Der Schutz der Bevölkerung und der Einsatzkräfte hat für uns oberste Priorität. Solange die Lage dynamisch bleibt, werden wir alle notwendigen Maßnahmen treffen, um Gefahren frühzeitig abzuwenden." Rund 80 Prozent der Einsatzkräfte engagieren sich ehrenamtlich.
Hoffnung auf Regen, aber auch Risiken
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt Hoffnung auf Gewitterregen ab Freitagnachmittag. Meteorologe Florian Engelmann sagte: "Es sieht recht gut aus." Allerdings könne die Gewitterfront auch komplett vorbeiziehen. In der Spitze sind bis zu 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und Stunde möglich – ein Segen für die Brandbekämpfung. Problematisch wäre jedoch, wenn die Gewitterfront nur trocken mit starkem Wind durchzieht, da Böen Funkenflug und neue Brandherde verursachen können. Nationalparkleiter Ulf Zimmermann warnte: "Solange die Windverhältnisse stabil bleiben und keine starken Böen auftreten, verbessert das unsere Einsatzmöglichkeiten. Problematisch wird es immer dann, wenn böiger Wind Funkenflug verursacht und neue Brandherde entstehen."
Munitionsbelastung als Dauerproblem
Nach Angaben des Munitionsbergungsdienstes gelten in Mecklenburg-Vorpommern rund 60.000 Hektar Wald – etwa zehn Prozent der gesamten Waldfläche – als munitionsbelastet. Davon entfallen rund 28.400 Hektar auf die höchste Gefährdungskategorie 4, zu der auch panzerbrechende Munition zählt. Landrat Müller erklärte: "Da große Teile des Gebietes nicht betreten werden können, müssen wir uns auf einen langwierigen Einsatz einstellen." Die Einsatzkräfte leisten unter diesen schwierigen Bedingungen Außergewöhnliches, so Backhaus: "Dafür verdienen sie unseren größten Respekt."



