Die Strände Apuliens werden immer häufiger zur Kinderstube für Meeresschildkröten: Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen, und die Tiere legen ihre Eier zunehmend auch an den Küsten Süditaliens ab. Das bringt jedoch Konflikte mit Fischern und Touristen mit sich, wie ein Bericht der Nachrichtenagentur Ansa zeigt.
Was ist passiert?
In diesem Jahr wurden an den apulischen Stränden bereits über 200 Nester der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) entdeckt – so viele wie nie zuvor. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es nur etwa 20 Nester pro Saison. Die Tiere wandern aufgrund der Erwärmung des Mittelmeers immer weiter nach Norden, um geeignete Brutplätze zu finden.
Konflikte mit Fischern und Touristen
Die zunehmende Zahl der Nester führt zu Spannungen: Fischer beklagen, dass die Schildkröten ihre Netze beschädigen und sich in den Leinen verfangen. Touristen wiederum stören die Nistplätze, indem sie die Strände bevölkern, und manche beschädigen die Gelege unabsichtlich oder sogar mutwillig.
Was können Fischer tun?
Um die Konflikte zu entschärfen, setzen Umweltschützer auf Aufklärung und technische Hilfen. So werden Fischer dazu angehalten, spezielle Netze zu verwenden, die Schildkröten den Ausstieg ermöglichen. Zudem wurden in einigen Häfen Rettungsstationen eingerichtet, wo verletzte Tiere behandelt werden können. Der WWF Italien hat ein Programm gestartet, das Fischern finanzielle Anreize bietet, wenn sie Schildkrötenbeifänge melden und schützen.
Touristen als Helfer
Auch Touristen können einen Beitrag leisten: Sie sollten die markierten Nistplätze respektieren und einen Abstand von mindestens fünf Metern einhalten. Zudem können Urlauber an organisierten Strandwachen teilnehmen, die die Nester überwachen und die Daten an Forscher weitergeben. In einigen Gemeinden wie Gallipoli und Otranto werden sogar nächtliche Führungen angeboten, bei denen man die Eiablage beobachten kann – ohne die Tiere zu stören.
Erfolge und Ausblick
Die Schutzmaßnahmen zeigen bereits Wirkung: Die Schlüpfrate der Jungtiere ist in den letzten Jahren gestiegen, und viele Nester wurden erfolgreich verlegt, um sie vor Flut und Touristen zu schützen. Dennoch bleibt die Lage angesichts des fortschreitenden Klimawandels angespannt. Wissenschaftler fordern daher langfristige Strategien, um die Population zu erhalten und die Küstenökosysteme zu bewahren.
Wie ist die Lage in anderen Regionen?
Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen Mittelmeerregionen zu beobachten, etwa in Griechenland und der Türkei. Die Unechte Karettschildkröte ist im Mittelmeer weiterhin stark gefährdet, aber die steigende Zahl der Nester in Apulien zeigt, dass Schutzmaßnahmen Erfolg haben können, wenn Mensch und Tier in Einklang gebracht werden.



