Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat eine Warnung zur mangelnden Kühlwirkung des Tempelhofer Feldes in Berlin ausgesprochen. Der Bundesvorsitzende des Verbandes präsentierte neue Ideen für eine mögliche Neugestaltung des Areals. Das Areal, ein ehemaliger Flughafen und heute eine der größten innerstädtischen Freiflächen Berlins, spielt eine wichtige Rolle als Kaltluftentstehungsgebiet für die umliegenden Wohnviertel.
Hintergrund der Warnung
In Zeiten zunehmender Hitzewellen gewinnen Grünflächen wie das Tempelhofer Feld an Bedeutung. Sie können die Umgebungsluft um mehrere Grad abkühlen. Der Nabu stellt jedoch fest, dass die derzeitige Gestaltung des Feldes nicht ausreicht, um diese Kühlfunktion optimal zu erfüllen. Der offene, versiegelte Boden heizt sich tagsüber stark auf und gibt nachts nur wenig Kaltluft ab. Dies belastet vor allem die angrenzenden Stadtteile Neukölln, Tempelhof und Schöneberg.
Der überraschende Vorschlag des Nabu
Der Nabu schlägt nun Maßnahmen vor, die den Kühleffekt des Feldes verstärken sollen. Dazu gehören unter anderem die Pflanzung von schattenspendenden Bäumen entlang der Wege, die Anlage flacher Wasserbecken zur Verdunstungskühlung sowie die Umgestaltung von Rasenflächen in blühende Wiesen. Diese Elemente sollen die Luftfeuchtigkeit erhöhen und die Oberflächentemperatur senken. Der Vorschlag ist überraschend, da der Nabu bisher jede größere Veränderung des Feldes ablehnte und sich für den Erhalt der offenen Landschaft einsetzte. Nun räumt der Verband ein, dass der Klimawandel neue Strategien erfordert.
Bedeutung des Tempelhofer Feldes
Das Tempelhofer Feld ist nicht nur ein Naherholungsgebiet für Millionen Berliner, sondern auch ein wichtiger Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Es steht unter Landschaftsschutz, und ein Volksentscheid 2014 verhinderte eine Randbebauung. Der Nabu betont, dass sein Vorschlag mit diesen Schutzbestimmungen vereinbar sei, da die Maßnahmen die Biodiversität fördern und die ökologische Funktion stärken. Der Verband verweist auf wissenschaftliche Studien, wonach eine durchgrünte und wasserreiche Gestaltung die Kühlleistung um bis zu 30 Prozent steigern kann.
Reaktionen und Ausblick
Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität und Verbraucherschutz zeigte sich offen für die Diskussion. Eine Sprecherin erklärte, dass man die Vorschläge prüfen werde. Auch Bezirkspolitiker aus Tempelhof-Schöneberg und Neukölln begrüßten die Initiative, mahnten jedoch eine sorgfältige Abwägung zwischen Nutzung und Naturschutz an. Der Nabu hofft, dass seine Ideen in die laufenden Planungen zur Klimaanpassung der Stadt einfließen. Eine konkrete Umsetzung ist derzeit noch nicht absehbar, der Verband will aber in Kürze detailliertere Konzepte vorlegen.



