Die rumänische Armee hat im Bett eines Donau-Arms bei Izvoarele einen Felsen gesprengt, um mehr Wasser zum Kernkraftwerk Cernavoda zu leiten. Das Kraftwerk, das sein gesamtes Kühlwasser aus der Donau bezieht, war wegen des dramatisch gesunkenen Wasserstands von der Abschaltung bedroht. Verteidigungsminister Radu Miruta bezeichnete die Sprengung als Erfolg und hofft, dass dadurch genügend Wasser zum AKW gelangt.
Hintergrund der Rettungsaktion
Die Donau führt derzeit nur ein Drittel der Wassermenge, die in dieser Jahreszeit üblich ist. Bereits vergangene Woche wurde einer der zwei Reaktoren in Cernavoda wegen Kühlwassermangels heruntergefahren. Die Behörden erwogen zunächst auch die Abschaltung des zweiten Blocks, entschieden sich dann aber für die Umleitung von Donauwasser durch die Sprengung.
Die Trümmer des gesprengten Felsens sollen binnen zwei Tagen mit Lastkähnen an eine bestimmte Stelle in einem Donau-Arm gebracht und versenkt werden, um dort den Wasserstand zu erhöhen. Sollte diese teilweise Fluss-Umleitung scheitern, müsse das AKW spätestens am kommenden Donnerstag ganz abgeschaltet werden, sagte Minister Miruta weiter.
Bedeutung des Kernkraftwerks Cernavoda
Das AKW Cernavoda produziert jährlich etwa 10 Millionen Megawattstunden Strom und deckt damit 20 Prozent des rumänischen Bedarfs. Der erste Reaktor vom kanadischen Typ CANDU ging 1996 ans Netz, der zweite folgte 2007. Die Aufrechterhaltung des Betriebs ist für die Energieversorgung des Landes von entscheidender Bedeutung, insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage.
Die Sprengung im Bala-Kanal, etwa 50 Kilometer flussaufwärts von Cernavoda, soll nicht nur das AKW retten, sondern auch die Schifffahrt auf der Donau erleichtern. Der Minister betonte, dass die Maßnahme sicherlich die Donau-Schifffahrt verbessern werde.
Auswirkungen auf die Region
Die Dürre betrifft nicht nur Rumänien: Auch Ungarn bereitet sich darauf vor, sein einziges Atomkraftwerk wegen der niedrigen Pegelstände der Donau herunterzufahren. Die ungarische Regierung hat bereits dazu aufgerufen, den Stromverbrauch zu drosseln und Wasser zu sparen, vor allem in Unternehmen.
Der Wasserstand der Donau wird voraussichtlich in den nächsten Tagen weiter sinken, was die Lage verschärfen könnte. Die Sprengung ist eine von mehreren Notmaßnahmen, um die Energieversorgung in Südosteuropa zu sichern.



