Störche in Bayern: Wo die Horste sind und wo die Vögel überwintern
Störche in Bayern: Wo die Horste sind und wo sie überwintern

In Bayern brüten wieder mehr Weißstörche als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die imposanten Horste aus Zweigen und Gras liegen auf Hausdächern, Strommasten, eigens errichteten Pfählen oder auf alten Scheunen. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) kartiert die Nester im Freistaat und ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, besetzte Horste online zu melden.

Wo die Horste im Freistaat stehen

Die Dichte der Storchennester ist in Bayern regional sehr unterschiedlich. Schwerpunkte liegen in den Flusstälern von Donau, Main und Isar sowie im Alpenvorland. Besonders im Landkreis Kelheim, in der Region um Nürnberg und im bayerischen Schwaben haben sich die Bestände in den vergangenen 30 Jahren deutlich erholt. In Oberbayern gibt es ebenfalls wieder zahlreiche Brutpaare, vor allem in den Moosgebieten entlang der Isar.

Naturschützer erklären die Zunahme mit der Renaturierung von Feuchtgebieten, dem veränderten Nahrungsangebot und dem milde werdenden Klima. Zudem werden viele Nisthilfen von Privatleuten aufgestellt, die den Störchen das Brutgeschäft erleichtern. Ein Storchennest kann über Jahre hinweg immer wieder genutzt werden – und wird dabei stetig ausgebaut. So wachsen die Horste oft auf mehrere hundert Kilo Gewicht an.

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Brut und Nachwuchs im Storchennest

Die ersten Störche treffen bereits Ende Februar aus ihren Winterquartieren ein. Die Männchen besetzen zuerst die Nester und verteidigen sie gegen Artgenossen. Nach der Paarung legt das Weibchen meist drei bis vier Eier, die rund 33 Tage lang bebrütet werden. Die Jungvögel bleiben neun bis zehn Wochen im Nest, bevor sie flügge werden.

Der Nachwuchs ist allerdings vom Wetter abhängig. In verregneten Sommern erfrieren oder verhungern die Jungstörche häufig, wenn die Eltern nicht genügend Nahrung heranschaffen können. Mäuse, Regenwürmer, Insekten und kleine Wirbeltiere sind die Hauptnahrung der Weißstörche – sie zählen zu den sogenannten Bodenjägern.

Immer weniger Störche ziehen nach Afrika

Früher überwinterten die meisten bayerischen Weißstörche in Westafrika südlich der Sahara. Heute kehrt ein wachsender Teil der Vögel gar nicht mehr ab, sondern bleibt in Mitteleuropa. Nach Angaben des LBV verbringen inzwischen mehrere tausend Störche den Winter in Süddeutschland, allein in Bayern sind es hunderte. Sie nutzen offene Gewässer, Mülldeponien und Kompostplätze als Nahrungsquellen.

Die Zugroute der bayerischen Störche führt dabei über die Iberische Halbinsel, viele ziehen auch über die Türkei und den Nahen Osten. Seit einigen Jahren lassen sich Forscher mit GPS-Sendern ausgestattete Störche aus Bayern verfolgen und können so die saisonalen Wanderungen exakt dokumentieren. Ein Ergebnis: Die Vögel werden flexibler und brechen ihren Zug oft vorzeitig ab, wenn die Bedingungen günstig sind.

Schutz der Nester und Nisthilfen

Storchennester sind gesetzlich geschützt. Sobald ein Nest von Störchen angelegt oder bezogen wird, darf es nicht mehr entfernt werden. Wer ein Nest auf dem Dach hat, muss in einigen Fällen mit Verschmutzungen rechnen – dafür bekommt er mitunter den imposanten Anblick eines klappernden Storchenpaares geboten, das oft direkt vor der Haustür brütet.

Der LBV empfiehlt allen, die den Störchen helfen möchten, eine künstliche Brutplattform auf einem stabilen Mast zu errichten. Diese sollte etwa 4,5 Meter hoch sein und einen Durchmesser von einem Meter haben. Die Plattform wird idealerweise im Herbst angebracht, damit sie sich bis zum Frühjahr setzen kann. Wer eine solche Hilfe anbringt, kann vielleicht schon in der kommenden Saison Storchennachwuchs beobachten.

Im vergangenen Jahr zählte der LBV in Bayern 614 besetzte Storchennester – so viele wie noch nie seit Beginn der Erfassungen. „Der Storch ist zu einem Symbol für den Erfolg des Naturschutzes geworden“, betont ein LBV-Sprecher. Für viele Menschen gehören die klappernden Vögel längst zum gewohnten Bild in Dörfern und Städten.

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