Schneise der Verwüstung in Glückstadt
Ein mutmaßlicher Tornado hat am Sonntagabend in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Glückstadt an der Elbe eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Nach ersten Schätzungen der Polizei belaufen sich die Sachschäden auf einen sechs- bis siebenstelligen Betrag. Betroffen sind 40 bis 50 Gebäude, deren Dächer abgedeckt, Gärten verwüstet und Oberleitungen beschädigt wurden. Gartenhäuser wurden aus ihren Verankerungen gerissen.
Mehrere Bewohner mussten ihre Häuser vorsorglich verlassen, doch nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde niemand verletzt. Die Aufräumarbeiten dauern an, und die genaue Schadenshöhe wird derzeit ermittelt.
Einstufung als Tornado
Die Wetterseite Tornadoliste.de stuft den Sturm bereits als Tornado ein. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) will im Laufe des Montags eine offizielle Einschätzung abgeben. „Es handelt sich um ein lokales, aber heftiges Unwetterereignis“, sagte eine DWD-Sprecherin. Die genaue Windgeschwindigkeit werde noch analysiert.
In sozialen Medien kursieren zahlreiche Videos und Fotos, die die Verwüstung zeigen: umgestürzte Bäume, zerfetzte Dachziegel und umherfliegende Trümmer. Die Polizei bittet Schaulustige, das Gebiet zu meiden, um die Einsatzkräfte nicht zu behindern.
Starkregen führt zu Unfällen auf der A7
Zeitgleich mit dem Tornado sorgte heftiger Starkregen im Süden Schleswig-Holsteins für Chaos. Auf der Autobahn 7 bei Bad Bramstedt im Kreis Segeberg ereigneten sich zwei Unfälle fast zur selben Zeit. In Fahrtrichtung Süden kam ein Auto alleinbeteiligt von der Fahrbahn ab und prallte gegen die Leitplanke. In der Gegenrichtung stießen zwei Fahrzeuge aufgrund von Aquaplaning zusammen.
Fünf Menschen wurden bei den beiden Unfällen leicht verletzt und in umliegende Krankenhäuser gebracht. Die Autobahn in Richtung Süden wurde über einen Rastplatz umgeleitet, die Nordfahrbahn war kurzzeitig voll gesperrt und anschließend nur einspurig befahrbar. Der Verkehr staute sich zeitweise über mehrere Kilometer.
Einsatzkräfte im Dauereinsatz
Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste waren in beiden Regionen stundenlang im Einsatz. In Glückstadt halfen die Einsatzkräfte dabei, einsturzgefährdete Gebäude zu sichern und lose Dachteile zu entfernen. Die Stadt Glückstadt richtete eine Notunterkunft für evakuierte Bewohner ein.
Der DWD warnt vor weiteren Unwettern in der Region. „Die Lage bleibt angespannt. Wir rechnen mit weiteren Gewittern und lokalem Starkregen“, erklärte ein Meteorologe. Anwohner werden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Gegenstände von Balkonen und Terrassen zu sichern.



