Die anhaltende Trockenheit in Baden-Württemberg hat im Jahr 2022 zu einem deutlichen Rückgang der Stromerzeugung aus Wasserkraft geführt. Wie das Statistische Landesamt mitteilte, sank die erzeugte Strommenge aus Wasserkraftwerken im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent. Konkret wurden 2022 etwa 1,8 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom aus Wasserkraft erzeugt, während es im Jahr 2021 noch rund 2,1 Milliarden kWh waren.
Ursachen und Auswirkungen
Hauptgrund für den Rückgang sind die niedrigen Wasserstände in Flüssen und Seen infolge der anhaltenden Trockenheit. Besonders betroffen sind kleinere Laufwasserkraftwerke an Nebenflüssen, die bei niedrigem Wasserstand weniger Strom produzieren können. Auch die Speicherseen in den Alpen und im Schwarzwald wiesen deutlich geringere Füllstände auf als in durchschnittlichen Jahren.
Die Wasserkraft ist nach der Windenergie die zweitwichtigste erneuerbare Energiequelle in Baden-Württemberg. Ihr Anteil an der gesamten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien liegt bei etwa 20 Prozent. Der Rückgang der Wasserkraftproduktion musste teilweise durch andere Energiequellen ausgeglichen werden, was die Bemühungen zur Energiewende erschwert.
Regionale Unterschiede
Die Auswirkungen der Trockenheit waren regional unterschiedlich. Während die großen Flüsse wie Rhein und Neckar noch relativ konstante Wasserführungen aufwiesen, verzeichneten kleinere Gewässer wie die Donau und ihre Zuflüsse deutlich geringere Abflüsse. In einigen Regionen, insbesondere im Nordosten des Landes, fiel die Stromerzeugung aus Wasserkraft um bis zu 30 Prozent geringer aus als im Vorjahr.
Das Statistische Landesamt betonte, dass die Zahlen auf vorläufigen Erhebungen basieren und endgültige Daten erst im Frühjahr 2023 vorliegen werden. Dennoch zeichne sich bereits jetzt ab, dass die Trockenheit die Energiebilanz des Landes spürbar beeinflusst hat.
Ausblick und Anpassungsstrategien
Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Häufigkeit von Trockenperioden wird die Wasserkraft in Baden-Württemberg voraussichtlich weiterhin Schwankungen unterliegen. Experten fordern daher Anpassungsstrategien, wie den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken und die Optimierung bestehender Anlagen, um die Effizienz bei niedrigen Wasserständen zu verbessern.
Das Umweltministerium des Landes kündigte an, ein Monitoring-System einzurichten, das die Wasserstände und die Stromproduktion kontinuierlich erfasst, um frühzeitig auf Trockenperioden reagieren zu können. Zudem sollen Anreize für Modernisierungen geschaffen werden, um die Anlagen widerstandsfähiger gegen Klimaschwankungen zu machen.



