Unwetter im Unterallgäu: Tornado verwüstet Bad Wörishofen
Unwetter im Unterallgäu: Tornado verwüstet Bad Wörishofen

Ein schweres Unwetter hat am Dienstag den Landkreis Unterallgäu heimgesucht. Die Kurstadt Bad Wörishofen wurde dabei besonders hart getroffen. Im gesamten Kreisgebiet liefen bis in die Nacht hinein mehr als 100 Einsatzberichte bei den Rettungsleitstellen ein. Die Bilanz: umgestürzte Bäume, überflutete Keller, abgedeckte Dächer und mehrere verletzte Menschen.

Schon am Nachmittag warnten die Meteorologen vor schweren Gewittern. Entgegen der üblichen Wetterlage zog eine sogenannte Superzelle über die Region. Gegen 18 Uhr brach das Unwetter dann mit voller Gewalt über Bad Wörishofen herein. Ein aufmerksamer Beobachter berichtete von einer dunklen Wand, die sich über der Stadt zusammenzog, gefolgt von heulendem Wind und hagelgroßen Eiskörnern.

Großeinsatz in der Kurstadt

Die Freiwilligen Feuerwehren aus Bad Wörishofen, Mindelheim und weiteren Umlandgemeinden rückten mit rund 200 Einsatzkräften aus. Im Stadtgebiet entwurzelte der Sturm zahlreiche Bäume, einige krachten auf parkende Autos und Hausdächer. An mehreren Gebäuden wurden Dachziegel abgedeckt, teils flogen Ziegel durch die Luft wie Geschosse. Die Polizei sprach von einem "Tornado", der sich ohne Vorwarnung gebildet habe.

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"So etwas habe ich in 30 Jahren nicht erlebt", sagte ein Feuerwehrkommandant gegenüber der Augsburger Allgemeinen. "Uns sind die Einsätze unter den Händen weggebrochen." Tatsächlich mussten die Helfer priorisieren: Zuerst wurden akute Gefahrenlagen wie abgebrochene Stromleitungen und blockierte Straßen beseitigt, danach kontrollierten sie Keller und Gebäude.

Warum das Unwetter so verheerend war

Ursache für die extreme Wetterlage war eine sogenannte Superzelle. Diese rotierenden Gewittersysteme gelten als besonders langlebig und können heftige Fallwinde, großkörnigen Hagel und eben auch Tornados hervorrufen. In Bad Wörishofen wurde nach ersten Erkenntnissen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein Tornado der Stufe F1 oder F2 auf der Fujita-Skala beobachtet. Dabei können Windgeschwindigkeiten von 180 Kilometern pro Stunde erreicht werden.

"Wir haben es mit einem klassischen Tornado zu tun, der sich aus einer Superzelle am Rand einer Gewitterlinie gebildet hat", erklärte ein Meteorologe des DWD am Mittwoch. Solche Ereignisse seien in Deutschland nicht alltäglich, aber im Kontext des Klimawandels könnten sie zunehmen. Das sagte auch Bayerns Innenminister, der sich an der Schadensstelle ein Bild machte.

Wie kam es zum Tornado in Bad Wörishofen?

Die Entstehung eines Tornados ist ein komplexer Prozess. Nötig sind starke Temperaturunterschiede zwischen dem Boden und der Höhe, dazu viel Feuchtigkeit und Windscherung. Am Dienstagnachmittag stiegen die Temperaturen örtlich auf über 30 Grad. Gleichzeitig zog eine Kaltfront aus Südwesten heran. Die Folge war eine labile Atmosphäre, die genau solche Gewitter mit Rotation hervorbrachte.

Auch die Geografie des Unterallgäus spielt eine Rolle. Das Alpenvorland ist für solche Wetterlagen bekannt, da die Berge die Luftströmungen zusätzlich anheben. Allerdings ist ein Tornado eine seltene Erscheinung – zuletzt war es nach Angaben des örtlichen Wetterdienstes im Jahr zuvor zu einem ähnlichen Ereignis gekommen.

Schäden in Millionenhöhe? Notstandsgespräche angelaufen

Die exakte Schadenshöhe ist noch unklar. Die Stadt Bad Wörishofen richtete einen Krisenstab ein. In den betroffenen Ortsteilen wurden Straßen gesperrt, der Bahnverkehr war zeitweise unterbrochen. Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Sachschaden auf eine hohe sechsstellige Eurosumme, wie die Verwaltung am Abend mitteilte. In einigen Wohngebieten waren bis tief in die Nacht mehr als 2.000 Haushalte ohne Strom.

Betroffen war auch das Kurviertel von Bad Wörishofen. Die bekannten Kliniken und Einrichtungen kamen glimpflich davon, allerdings mussten einige Veranstaltungen abgesagt werden. Die Aufräumarbeiten werden den ganzen Mittwoch andauern. Das Technische Hilfswerk unterstützt die Räumtrupps an einigen Stellen.

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Das Unwetter löste auch Diskussionen über die Krisenkommunikation aus. Warum wurde nicht früher gewarnt? Der DWD hatte zwar eine Unwetterwarnung herausgegeben, die genaue Zugbahn einer Superzelle ist aber kaum vorherzusagen. "Man kann die Leute nicht zwei Stunden vorher auf einen Tornado hinweisen, weil man ihn selbst nicht sieht", erklärte der Experte. Die Warnstrategie solle nun überprüft werden.

Das sagen die Behörden

Das Landratsamt Unterallgäu kündigte an, den Betroffenen schnell und unbürokratisch zu helfen. "Unsere Hauptaufgabe ist es jetzt, die Lage zu erfassen und alle Maßnahmen einzuleiten, damit die Menschen wieder in ein sicheres Zuhause zurückkehren können", sagte die Landrätin in einer ersten Stellungnahme. Sie rief die Bevölkerung auf, Schäden fotografisch zu dokumentieren und bei der Versicherung zu melden.

Die Polizei warnt vor herumliegenden Trümmern und beschädigten Stromleitungen. Unbekannte Gegenstände sollten nicht angefasst werden, sondern die Behörden informiert werden. Auch in der Nacht blieben einige Straßen gesperrt.

Das Unwetter im Unterallgäu hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Wann die Schäden vollständig beseitigt sein werden, ist unklar. Sicher ist: Dieses Ereignis wird noch lange in Erinnerung bleiben.