Waldbrände in Frankreich: Evakuierte in Notunterkunft berichten von schlechten Bedingungen
Waldbrände Frankreich: Evakuierte in Notunterkunft

Seit Tagen wüten an der französischen Atlantikküste verheerende Waldbrände. Hunderttausende Menschen mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. In einer Notunterkunft im Norden von Bordeaux harren die Evakuierten unter schwierigen Bedingungen aus. Die Feldbetten stehen so dicht beieinander, dass man den Nachbarn beim Atmen zuhören kann. Männer schnarchen, Babys schreien, die Luft ist schlecht – so beschreiben Betroffene die Situation.

Massenevakuierung an der Atlantikküste

Die Brände in den Regionen Gironde, Landes und Dordogne haben bereits über 20.000 Hektar Land zerstört. Die Behörden sprachen am Montag von rund 200.000 evakuierten Personen – eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte Frankreichs. Die Feuerwehr kämpft seit Tagen gegen die Flammen, unterstützt von Löschflugzeugen und Einsatzkräften aus anderen EU-Staaten.

„Wir mussten von einer Sekunde auf die andere alles zurücklassen“, sagte der 45-jährige Nicolas D. aus Arcachon, der mit seiner Familie in der Notunterkunft angekommen ist. „Die Flammen kamen schneller, als wir dachten. Jetzt sitzen wir hier, ohne zu wissen, ob unser Haus noch steht.“

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Enge und Anspannung in der Notunterkunft

Die Turnhalle, die als provisorisches Lager dient, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 1.200 Menschen drängen sich hier. Die Luft ist stickig, es riecht nach Schweiß und Desinfektionsmittel. Freiwillige Helfer verteilen Wasser und einfache Mahlzeiten. Viele Kinder sind unruhig, ältere Menschen wirken erschöpft.

„Die hygienischen Bedingungen sind grenzwertig“, berichtet die Ärztin Claire M., die im Schichtdienst die medizinische Versorgung organisiert. „Wir haben mehrere Fälle von Atemwegsbeschwerden, vermutlich durch die Rauchpartikel in der Luft. Für Asthmatiker ist das besonders gefährlich.“

Regierung verspricht Hilfe

Der französische Premierminister Gabriel Attal besuchte am Sonntag das betroffene Gebiet und kündigte zusätzliche Hilfen an. „Wir werden alles tun, um die Evakuierten zu unterstützen und die Brände unter Kontrolle zu bringen“, sagte Attal in einer Pressekonferenz in Bordeaux. Zugleich rief er die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf: „Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Bleiben Sie vorsichtig.“

Dennoch wächst die Kritik an der Katastrophenvorsorge. Umweltschutzverbände verweisen auf die Folgen des Klimawandels, der solche Extremwetterlagen häufiger und intensiver mache. „Frankreich muss endlich in präventive Maßnahmen investieren, statt immer nur auf akute Notlagen zu reagieren“, sagte der Sprecher von Greenpeace Frankreich, Martin H.

Ungewisse Zukunft für die Betroffenen

Viele Evakuierte wissen nicht, wann sie in ihre Häuser zurückkehren können. Die Brandbekämpfung läuft auf Hochtouren, doch die Prognosen sind unsicher. Einige Familien haben alles verloren – ihre Wohnungen sind ausgebrannt. Die Versicherungen stehen vor einer Welle von Schadensmeldungen. Die französische Regierung hat einen „Katastrophenzustand“ für die betroffenen Départements ausgerufen, um Hilfszahlungen zu beschleunigen.

In der Notunterkunft versuchen die Menschen, sich gegenseitig zu stützen. Eine Gruppe von Freiwilligen organisiert Spiele für die Kinder, um die Angst zu vertreiben. „Es ist schwer, aber wir sind hier alle in der gleichen Lage“, sagt die 32-jährige Sophie L., die mit ihren zwei kleinen Kindern evakuiert wurde. „Man muss einfach durchhalten.“

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