Die verheerenden Waldbrände in Südeuropa halten weiter an und fordern die Einsatzkräfte in Frankreich, Spanien und Portugal bis an ihre Grenzen. Innerhalb weniger Tage mussten über 45.000 Menschen ihre Häuser verlassen, um sich vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Die Feuerwehren haben die Situation vielerorts nicht unter Kontrolle, wie Behörden am Mittwoch mitteilten.
Bordeaux droht großflächige Evakuierung
Besonders angespannt ist die Lage in der französischen Weinbauregion Bordeaux. Hier droht nun eine großflächige Evakuierung tausender weiterer Anwohner. Die Flammen haben bereits mehrere Dörfer erreicht und bedrohen die Stadt selbst. „Die Feuerwehren arbeiten unermüdlich, aber die Trockenheit und der starke Wind machen eine Eindämmung nahezu unmöglich“, sagte ein Sprecher der französischen Feuerwehr.
In Spanien wurde für mehrere Regionen der Notstand ausgerufen. Besonders betroffen sind Katalonien und Aragón, wo die Feuer sich rasend schnell ausbreiten. Allein in den vergangenen 48 Stunden sind über 10.000 Hektar Land verbrannt. Die Behörden sprechen von den schlimmsten Bränden seit Jahren. „Unsere Einsatzkräfte sind am absoluten Limit. Wir brauchen dringend Unterstützung aus dem Ausland“, erklärte der spanische Zivilschutzkoordinator.
Portugal kämpft gegen Flammen an mehreren Fronten
Auch Portugal ist schwer betroffen. Im Zentrum des Landes wüten mehrere Großbrände gleichzeitig. Die Feuerwehr kann viele Brandherde nicht erreichen, da sie in unwegsamem Gelände liegen. Bisher sind rund 30.000 Hektar Wald und Buschland zerstört worden. Die Regierung in Lissabon bat die Europäische Union um die Aktivierung des Katastrophenschutzmechanismus.
Die anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad Celsius sowie eine langanhaltende Dürreperiode haben die Brandgefahr drastisch erhöht. Klimaexperten warnen, dass solche Extremereignisse durch den Klimawandel häufiger und heftiger werden. „Wir erleben eine neue Dimension von Waldbränden, die unsere bisherigen Bekämpfungsstrategien in Frage stellt“, sagte ein Meteorologe des spanischen Wetterdienstes.
Touristengebiete in Mitleidenschaft gezogen
Die Brände treffen auch beliebte Urlaubsregionen. In der spanischen Mittelmeerregion Costa Brava mussten mehrere Campingplätze und Ferienanlagen evakuiert werden. Urlauber berichten von Panik und chaotischen Szenen. Die örtlichen Behörden bemühen sich, die Touristen in Sicherheit zu bringen und alternative Unterkünfte bereitzustellen. „Wir haben noch nie etwas Derartiges erlebt. Das Feuer kam schneller als erwartet“, sagte ein Urlauber aus Deutschland, der mit seiner Familie in einem Hotel nahe Barcelona untergebracht war.
Auch Italien ist von Bränden betroffen, jedoch in geringerem Ausmaß. Auf Sizilien und in Kalabrien bekämpfen Löschflugzeuge und Bodentruppen die Flammen. Die italienische Regierung hat vorsorglich den Notstand für die betroffenen Regionen erklärt.
EU-Kommission bietet Hilfe an
Die Europäische Union hat ihre Solidarität bekundet und Hilfe angeboten. EU-Katastrophenschutzkommissar Janez Lenarčič teilte mit, die Reserve an Löschflugzeugen und -hubschraubern sei aktiviert. Mehrere Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland und Polen, haben bereits Unterstützung zugesagt. Die Koordination der internationalen Hilfe läuft über das EU-Katastrophenschutzverfahren.
Die Wetterdienste erwarten für die kommenden Tage keine wesentliche Entspannung. Die Temperaturen sollen weiterhin hoch bleiben, und die Gefahr neuer Brandausbrüche ist akut. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, höchste Vorsicht walten zu lassen und alle Anweisungen der Einsatzkräfte zu befolgen. Die Waldbrände in Südeuropa werden voraussichtlich noch viele Wochen andauern.



