Wird in Deutschland bald das Wasser knapp? Diese Frage stellt sich angesichts zunehmender Trockenperioden und sinkender Grundwasserspiegel immer dringlicher. Michael Fritz, Mitgründer der internationalen Sozialbewegung Viva con Agua, warnt: Auch in Deutschland wird Wasser zur Zukunftsfrage. In der neuesten Folge des Podcasts „VOICES. FOR FUTURE.“ der Funke Mediengruppe spricht er mit Host Gundula Ullah über die dringendsten Herausforderungen – und macht klar, dass Nachhaltigkeit weit mehr verlangt als gute Absichten.
Von der Pfandbecher-Aktion zur globalen Bewegung
Was 2002 als studentische Initiative auf dem Hamburger Fusion-Festival begann, ist heute ein internationales Netzwerk aus Vereinen, Stiftungen und Sozialunternehmen. Der Auslöser war simpel: Auf dem Festival sammelte Fritz mit Freunden Pfandbecher, um mit dem Erlös Brunnenbauprojekte in Afrika zu finanzieren. Aus dieser Aktion entstand Viva con Agua de Sankt Pauli, das sich seither dafür einsetzt, allen Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene zu ermöglichen.
In 20 Jahren wuchs die Bewegung zu einem globalen Netzwerk heran. Nach eigenen Angaben konnten durch die Projekte von Viva con Agua und Partnern bereits mehrere Millionen Menschen erreicht werden. Fritz betont im Gespräch: „People over Profits. All the time.“ Dieser Leitsatz zieht sich durch seine gesamte Arbeit – und durch das Podcast-Gespräch.
Wasser als Menschenrecht – auch in Deutschland
Die Vereinten Nationen haben den Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht anerkannt (Sustainable Development Goal 6). Doch Fritz weist darauf hin, dass dieses Recht auch in Deutschland zunehmend unter Druck gerät. Dürreperioden der letzten Jahre, sinkende Grundwasserspiegel und Konflikte um Wassernutzung machen das Thema auch hierzulande zur Zukunftsfrage. „Wasser ist ein Menschenrecht“, sagt Fritz – doch die Umsetzung erfordere Anstrengungen, die weit über politische Sonntagsreden hinausgehen.
Besonders Unternehmen sieht er in der Pflicht. Nachhaltigkeit dürfe nicht im Marketing entschieden werden, sondern müsse in der Unternehmensführung verankert sein. Corporate Social Responsibility (CSR) allein schaffe keinen Systemwandel, so Fritz. Es brauche eine grundlegende Überprüfung der eigenen Strukturen und Geschäftsmodelle.
Nachhaltigkeit als Führungsaufgabe
Der Mitgründer von Viva con Agua fordert, dass Unternehmen ihre Rolle in der Gesellschaft neu definieren. Es gehe nicht darum, einzelne Projekte zu unterstützen, sondern darum, die gesamte Wertschöpfungskette zu hinterfragen. „Echter Wandel beginnt mit Ehrlichkeit“, betont Fritz. Unternehmen müssten sich eingestehen, dass ihr Handeln Auswirkungen auf Ressourcen und Gesellschaft hat – und daraus Konsequenzen ziehen.
Dabei gehe es nicht um Verzicht, sondern um Innovation. Als Beispiele nennt Fritz die Ausgründungen Goldeimer und Villa Viva. Goldeimer produziert Recycling-Toilettenpapier und unterstützt damit Sanitärprojekte, Villa Viva betreibt nachhaltige Hostels in Hamburg. Beide zeigen, wie soziales Unternehmertum wirtschaftlich tragfähig sein kann.
Erfolg neu definieren
Fritz plädiert dafür, den Erfolgsbegriff in der Wirtschaft grundlegend zu überdenken. Kurzfristige Profitmaximierung dürfe nicht das alleinige Ziel sein. Stattdessen müsse der gesellschaftliche Mehrwert im Zentrum stehen. „Wir müssen Erfolg neu definieren“, sagt er – und macht deutlich, dass Menschen für ihn wichtiger sind als Profite.
Diese Haltung hat auch Auswirkungen auf die Art, wie Unternehmen kommunizieren. Soziale Medien verändern die Gesellschaft und insbesondere junge Menschen. Fritz sieht darin sowohl Chancen als auch Risiken. Einerseits könnten soziale Bewegungen schneller wachsen, andererseits drohe eine zunehmende Polarisierung. Unternehmen müssten lernen, mit dieser Dynamik verantwortungsvoll umzugehen.
Verantwortung übernehmen
Die Fragen, die Fritz aufwirft, sind nicht neu, aber sie gewinnen an Dringlichkeit. Der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität und die wachsende soziale Ungleichheit erfordern ein Umdenken. Fritz fordert, dass Unternehmen ihre Verantwortung ernst nehmen und aktiv an gesellschaftlichen Veränderungen mitwirken. Dies sei keine Frage des guten Willens, sondern der Überlebensfähigkeit.
Der Podcast „VOICES. FOR FUTURE.“ der Funke Mediengruppe will genau diese Debatte vorantreiben. Host Gundula Ullah, CSO der Funke Mediengruppe, spricht mit führenden Persönlichkeiten über unternehmerische Zukunftsfähigkeit. Die Folge mit Michael Fritz ist bereits über alle gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.
Die Redaktionsschluss war am 25. Juni 2026, die Aufzeichnung erfolgte am 1. Juli 2026. Die Gesprächsdauer beträgt rund 29 Minuten. Weitere Informationen und Quellen, darunter die UN-Nachhaltigkeitsziele und der Club of Rome, sind in der Podcast-Beschreibung verlinkt.



