Windräder bei Fremdingen: Gemeinderat debattiert über neue Anlagen im Ries
Windräder bei Fremdingen: Debatte im Gemeinderat

Der Gemeinderat von Fremdingen hat in seiner jüngsten Sitzung über die Errichtung neuer Windkraftanlagen im Ries debattiert. Im Fokus stehen bis zu fünf Windräder, die auf den Gemarkungen der Gemeinde entstehen könnten. Die Planungen befinden sich noch in einem frühen Stadium, doch die Diskussion zeigt: Die Energiewende kommt auch im ländlichen Raum an.

Hintergrund: Warum neue Windräder?

Die Gemeinde Fremdingen, die im Landkreis Donau-Ries liegt, will einen Beitrag zur Energiewende leisten. Bereits heute gibt es in der Umgebung mehrere Windkraftanlagen, die Strom für mehrere tausend Haushalte produzieren. Die neuen Anlagen sollen die regionale Wertschöpfung stärken und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern. Laut Bürgermeister Frank Merkt (CSU) sei man „auf der Suche nach geeigneten Flächen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch vertretbar sind“.

Die Standortsuche ist nicht trivial: Es müssen Abstandsregelungen zu Wohngebieten eingehalten werden, artenschutzrechtliche Belange spielen eine Rolle, und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist entscheidend. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die die potenziellen Flächen untersuchen soll.

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Bürgerbeteiligung und mögliche Standorte

Ein zentraler Punkt der Debatte war die Frage, wie die Bürger in die Planungen einbezogen werden können. Der Gemeinderat sprach sich dafür aus, frühzeitig Informationsveranstaltungen abzuhalten und die Anwohner aktiv zu beteiligen. „Wir wollen keine Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg treffen“, betonte Merkt. Geplant ist, dass die Bürger im Rahmen einer Bürgerversammlung ihre Anregungen und Bedenken äußern können.

Konkrete Standorte wurden noch nicht festgelegt, aber es gibt erste Überlegungen, die Flächen im Bereich der bestehenden Windparks zu erweitern. Dadurch könnten Synergien genutzt werden, etwa bei der Netzanbindung und der Wartung. Allerdings müssen auch neue Flächen geprüft werden, um das Potenzial voll auszuschöpfen.

Wirtschaftlichkeit und regionale Wertschöpfung

Die Wirtschaftlichkeit der Windräder ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Laut einer Studie des Bayerischen Windenergieforschungsprogramms können moderne Anlagen mit einer Nabenhöhe von über 150 Metern und einer Leistung von etwa 4,5 Megawatt pro Jahr rund 10.000 Megawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 2.500 Haushalten. Die Investitionskosten für ein solches Windrad liegen bei rund 6 Millionen Euro, wovon ein Teil durch Fördermittel gedeckt werden kann.

Die Gemeinde könnte von Pachteinnahmen profitieren, die je nach Anlage zwischen 20.000 und 40.000 Euro pro Jahr betragen. Zudem würden Gewerbesteuereinnahmen anfallen, die die Gemeindekasse stärken. „Die Windkraft ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor für unsere Gemeinde“, sagte der Bürgermeister.

Bedenken und Kritik

Dennoch gibt es auch kritische Stimmen. Einige Anwohner befürchten eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und Lärmbelästigung. Auch der Artenschutz wird angeführt: Das Ries ist ein wichtiges Rast- und Brutgebiet für Vögel, insbesondere für den Rotmilan. Die Planer müssen daher sorgfältig prüfen, ob die Standorte mit den Schutzgebieten vereinbar sind. Der Gemeinderat will deshalb eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen lassen, die diese Aspekte berücksichtigt.

Die Diskussion im Gemeinderat zeigte, dass die Meinungen auseinandergehen. Während einige Räte die wirtschaftlichen Vorteile betonten, wiesen andere auf die Risiken hin. Am Ende wurde beschlossen, die Machbarkeitsstudie abzuwarten und dann erneut zu beraten. Die Studie soll innerhalb der nächsten sechs Monate vorliegen.

Nächste Schritte und Zeitplan

Die Gemeinde will nun in den kommenden Monaten die Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Dazu werden Fachbüros beauftragt, die Windmessungen, Bodenuntersuchungen und Artenschutzprüfungen durchführen. Parallel dazu sollen Gespräche mit den Grundstückseigentümern geführt werden, um Flächen zu sichern. Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen, wird der Gemeinderat eine endgültige Entscheidung treffen.

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Bürgermeister Merkt zeigte sich zuversichtlich: „Wir haben die Chance, die Energiewende aktiv mitzugestalten. Wenn wir es richtig machen, profitieren alle – die Bürger, die Gemeinde und das Klima.“ Die nächste Sitzung des Gemeinderats ist für den 15. Juli geplant, dann soll über den Fortgang der Planungen berichtet werden.

Die Entwicklung in Fremdingen ist Teil eines größeren Trends: In Bayern werden die Windkraftanlagen trotz der 10-H-Regelung weiter ausgebaut. Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft sind derzeit über 1.100 Anlagen in Betrieb, weitere 200 sind in Planung. Die neue Bundesregierung hat zudem das Ziel ausgegeben, die Windenergie an Land bis 2030 zu verdoppeln. Damit könnte das Ries eine wichtige Rolle spielen.