In Niedersachsen sind Zecken mittlerweile ganzjährig aktiv, warnt das Landesgesundheitsamt. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) breitet sich zunehmend nach Norden aus. Fünf Fälle wurden bis Mitte Juli 2026 registriert. Experten raten zu Impfungen und Vorsichtsmaßnahmen.
Zecken im Alltag: Nicht nur im Wald
„Zecken kommen verstärkt in ganz Niedersachsen vor – in der freien Natur, aber auch in Parks und Gärten“, sagt Holger Scharlach, Sprecher des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA). Der Kontakt erfolge meist im Alltag, nicht nur bei Ausflügen. Die Tiere seien flächendeckend verbreitet.
Masyar Monazahian, Virologe am NLGA, ergänzt: „Wir beobachten auch, dass sich die von Zecken übertragbare FSME aus den südlichen und südöstlichen Bundesländern immer weiter in den Norden verbreitet.“ In ganz Deutschland könne mittlerweile das FSME-Virus in Zecken nachgewiesen werden. Neue Risikogebiete seien in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ausgewiesen worden. „Dies zeigt, dass der Trend grundsätzlich Richtung Norden geht, aber eine genaue Prognose ist nicht möglich.“
FSME-Risikogebiete in Niedersachsen
Das Emsland (seit 2019) und Celle (seit 2025) sind offizielle FSME-Risikogebiete in Niedersachsen. Stichprobenartige Untersuchungen des NLGA wiesen das Virus in Zecken in den Landkreisen Emsland, Cuxhaven, Nienburg und der Region Hannover nach. In diesem Jahr wurden bis Mitte Juli fünf FSME-Fälle gemeldet, im Vorjahr elf.
„Die typische Zeckenzeit von März bis September gibt es quasi nicht mehr“, erklärt Monazahian. Aufgrund des Klimawandels seien Zecken inzwischen ganzjährig aktiv. Symptome einer FSME-Erkrankung können Hirnhautentzündung, Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen oder Darmbeschwerden sein.
Situation in Bremen und Impfempfehlung
Im Land Bremen wurde bis Mitte Juli kein FSME-Fall registriert, wie Kristin Viezens, Pressesprecherin der Gesundheitssenatorin, mitteilte. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für Erwachsene in Risikogebieten mit häufigem Aufenthalt im Freien. „Für die Impfung gilt generell, dass sie meist sehr gut vertragen wird und einen sehr hohen Schutz bietet“, betont Thomas Buck, stellvertretender Präsident der Ärztekammer Niedersachsen. Auch für Personen in Regionen mit Zeckenvorkommen sowie für Kinder, die sich viel draußen aufhalten, sei die Impfung sinnvoll.
Borreliose: Häufig, aber nicht meldepflichtig
Zecken übertragen auch Borreliose. „Das ist keine meldepflichtige Erkrankung, deshalb liegen hierzu keine Zahlen vor“, sagt Monazahian. Je nach Region sind bis zu 35 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert. Typisches Anzeichen ist ein roter Hautring um die Einstichstelle. Eine Impfung gibt es nicht, aber eine Antibiotikabehandlung im Frühstadium ist wirksam. „Eine Zecke sollte immer möglichst schnell entfernt werden, denn es dauert einige Stunden, bis die Borreliose-Erreger übertragen werden“, rät der Virologe.
Klimawandel begünstigt Ausbreitung
„In Deutschland gesamt beobachten wir eine stetige Zunahme von FSME-Risikogebieten“, erklärt Buck. Es sei vorstellbar, dass zukünftig von einem generell hohen Risiko ausgegangen werden müsse und die Impfempfehlung irgendwann ganz allgemein gelte. Die Behörden raten, nach Aufenthalten im Freien den Körper nach Zecken abzusuchen und diese schnell zu entfernen.



