Deutsche Bahn erreicht im Fernverkehr nur 58,7 Prozent Pünktlichkeit
DB-Fernverkehr: nur 58,7 Prozent Pünktlichkeit

Die Deutsche Bahn hat ihre Pünktlichkeitsziele im ersten Halbjahr 2026 erneut deutlich verfehlt. Nur 58,7 Prozent der Fernzüge erreichten ihr Ziel ohne nennenswerte Verspätung – mehr als jeder dritte Zug war damit unpünktlich. Bahnchefin Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, räumte ein: „Das ist kein guter Wert. Da müssen wir auch nichts beschönigen."

Die Aussage machte Palla gegenüber der „Welt am Sonntag". Laut Bahn lag in drei Vierteln aller Verspätungsfälle die Verzögerung allerdings unter 15 Minuten. Palla: „Auch wenn wir insgesamt noch nicht zufrieden sind, dürfen wir die Deutsche Bahn nicht immer schlechter reden, als sie ist."

Pünktlichkeitsquote bleibt unter dem Jahresziel

Für die Statistik gilt ein Fernzug bereits ab sechs Minuten Verspätung als unpünktlich. Zugausfälle werden in der sogenannten betrieblichen Pünktlichkeit nicht mitgezählt – diese Kennzahl misst ausschließlich, wie viele Züge fahrplanmäßig am Ziel eintrafen. Im ersten Halbjahr ergab sich so eine Quote von 58,7 Prozent.

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Bahnchefin Palla hatte für das Gesamtjahr ein Ziel von mindestens 60 Prozent ausgegeben. Dieses Ziel ist derzeit außer Reichweite. Auf einer Skala von Note 1 bis 6 würde Palla der Bahn bei der Zuverlässigkeit die Note 4 minus erteilen, dem Gesamtkonzern aber eine 3. Sie betonte: „Wir werden oft nur an der Pünktlichkeit im Fernverkehr gemessen, das ist aber nur das halbe Bild."

Besonders ärgerlich ist die Entwicklung für Reisende, die auf Anschlüsse angewiesen sind. Auch wenn die meisten Verspätungen weniger als 15 Minuten betragen, können sie im Alltag große Auswirkungen haben. Die Bahn verweist darauf, dass sie in den vergangenen Jahren viele neue Fahrgäste gewonnen hat – das erhöhe zugleich die Komplexität im Betrieb.

  • Pünktlichkeit im Fernverkehr: 58,7 Prozent im ersten Halbjahr
  • Ziel der Bahnchefin: mindestens 60 Prozent im Gesamtjahr
  • Als unpünktlich gilt ein Zug ab sechs Minuten Verspätung
  • Bei drei Vierteln der Verspätungen lag die Abweichung unter 15 Minuten
  • Zugausfälle werden in der Statistik nicht erfasst

Schwere Vorwürfe an das frühere Management

Für die anhaltenden Verspätungen machte die Konzernchefin auch eine unzureichende Leistungskultur im früheren Management verantwortlich. „Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern", sagte Palla. Sie ging sogar noch weiter: „Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit. Das muss der Vergangenheit angehören."

Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2025 treibt Palla deshalb einen Konzernumbau voran. Die Zentrale soll verschlankt, Verantwortung in die Fläche verlagert werden. Zahlreiche Führungspositionen wurden bereits gestrichen. „Leistung beginnt ganz oben – zuerst bei mir selbst. Dann beim Konzernvorstand. Wir sind die erste Ebene, die das verkörpern und vorleben muss", so die Bahnchefin.

Der Umbau ist nicht ohne Risiko. Mitarbeiter in der Fläche müssen künftig mehr Entscheidungen treffen, gleichzeitig steigt der Druck auf die verbliebenen Führungskräfte. Ob die neue Struktur trägt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Umbau soll Effizienz steigern

Der Sparkurs und die organisatorischen Veränderungen sind Teil eines Maßnahmenpakets, mit dem die Bahn langfristig wieder zuverlässiger werden will. Ob die verschlankte Struktur bereits im laufenden Jahr Wirkung zeigt, ist offen. Bislang bleibt die Bilanz im Fernverkehr durchwachsen: Trotz der vielen Verspätungen sieht Palla auch positive Entwicklungen. Sie warnte davor, das Unternehmen pauschal als unzuverlässig abzustempeln.

Pünktlichkeit ist seit Jahren ein zentrales Thema für die Deutsche Bahn. Besonders im Fernverkehr ärgern sich Reisende regelmäßig über Verspätungen. Die neue Bahnchefin will nun mit einer härteren Leistungskultur gegensteuern. Ob das gelingt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie schnell die Sanierung der maroden Infrastruktur vorankommt. Viele Strecken und Bahnhöfe sind überlastet, auch das trägt zu den Verzögerungen bei.

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Kritiker der Bahn verweisen immer wieder darauf, dass die Pünktlichkeitswerte im internationalen Vergleich schlecht ausfallen. In Nachbarländern wie Österreich oder der Schweiz sind die Züge im Schnitt deutlich pünktlicher. Allerdings sind die Rahmenbedingungen unterschiedlich – die deutsche Bahn betreibt ein dichteres Netz mit mehr Knotenpunkten. Das macht den Betrieb anfälliger für Störungen.

Die Diskussion über die Pünktlichkeit wird die Bahn noch länger begleiten. Kritiker fordern unter anderem eine bessere Infrastruktur und mehr Investitionen ins Schienennetz. Die Bahn verweist auf das eigene Sanierungsprogramm. Vor allem die Kombination aus überlasteter Infrastruktur und wachsender Fahrgastzahl macht eine Besserung nicht einfach.

Immerhin: In einer separaten Übersicht hob Palla hervor, dass die meisten verspäteten Züge weniger als eine Viertelstunde zu spät kamen. Für Reisende, die Anschlüsse erreichen müssen, kann jedoch bereits eine kurze Verzögerung weitreichende Folgen haben.

Dieser Beitrag beruht auf einer dpa-Meldung und wurde nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts veröffentlicht.