Die Bundesregierung hat einen Aktionsplan mit 15 Punkten vorgestellt, um die maritime Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte auf der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden, dass das Vorankommen in beiden Bereichen entscheidend für ein gutes, freies und wohlhabendes Leben im 21. Jahrhundert sei. Die Konferenz findet alle zwei Jahre statt und versammelt rund 800 Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden, Gewerkschaften und Behörden.
Der Plan umfasst unter anderem Investitionen in die maritime Forschung und ein Großbürgschaftsprogramm für den Schiffbau. Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft, erklärte, dass künftig Millionen- oder milliardenschwere Projekte durch den Bund abgesichert werden sollen. Bisher seien solche Projekte häufig nach Asien abgewandert, was Arbeitsplätze und Wertschöpfungsketten ins Ausland verlagert habe.
Laut Bundesregierung hängen bis zu 400.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der maritimen Wirtschaft ab. Ploß erwartet in den nächsten Jahren über 100.000 neue Stellen und bezeichnete die Branche als echte Zukunftsbranche. Die maritime Wirtschaft wickelt rund 60 Prozent der deutschen Im- und Exporte über den Seeweg ab und umfasst Schiffbau, Offshore-Industrie und Fischerei.
Kritik gab es von Hafenbetreibern und Küstenländern, die eine strukturelle Unterfinanzierung der Seehäfen beklagen. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) fordert 500 Millionen Euro jährlich, während der Bund bisher nur 38,3 Millionen Euro bereitstellt. Kanzler Merz machte wenig Hoffnung auf eine Erhöhung, da die Länder verfassungsrechtlich für die Hafenfinanzierung zuständig seien. Er verwies auf geplante Investitionen von 1,35 Milliarden Euro in Bremerhaven für militärische Hafeninfrastruktur.
Der ZDS zeigte sich enttäuscht und sprach von einer verpassten Chance. Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger kritisierte, dass die Rede des Kanzlers kein Aufbruchsignal zur Seehafenfinanzierung enthalten habe und der Status quo zementiert worden sei. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte die untrennbare Verbindung von Sicherheit und Wirtschaft auf See und forderte den Schutz kritischer Infrastruktur wie Seekabel und Offshore-Windparks.
Vor der Konferenz demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen soziale Kahlschläge und Gasbohrungen vor Borkum. Die Polizei zählte neun Kundgebungen im Umfeld der Nordseehalle. Die Konferenz markiert für Emden, das einen der größten Automobilumschlaghäfen Europas beherbergt, ein nahezu rundes Jubiläum: Vor 26 Jahren fand die erste maritime Konferenz statt.



