Der Stadtrat von Wertingen hat als unmittelbare Konsequenz aus dem jüngsten Busunfall auf der Bundestraße 16 ein umfangreiches Sicherheitspaket verabschiedet. Bei dem Zusammenstoß am vergangenen Mittwoch wurden nach Angaben der Polizei zwei Schüler leicht verletzt, der Sachschaden wird auf rund 50.000 Euro geschätzt.
Die Unglücksstelle an der Einmündung zur Industriestraße gilt seit Jahren als Unfallschwerpunkt. Die zulässige Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern wird dort von vielen Autofahrern nicht eingehalten, das Abbiegen auf den kurzen Fahrstreifen ist riskant. Verkehrszählungen ergaben, dass täglich rund 10.000 Fahrzeuge den Knotenpunkt passieren, darunter ein hoher Anteil an Schwerverkehr.
Ein gefährlicher Knotenpunkt
Die Kreuzung am östlichen Ortseingang von Wertingen verbindet die Bundesstraße mit dem Gewerbegebiet und der Grundschule. Gerade für Schulkinder, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule fahren, ist die Querung gefährlich. Ein Gutachten hatte bereits im vergangenen Jahr aufgezeigt, dass der heutige Abbiegestreifen nicht ausreichend dimensioniert ist. Der Bremsweg von Fahrzeugen, die in die Industriestraße einbiegen wollen, sei zu lang, das Überholverhalten riskant.
Erst im Frühjahr hatten Anwohner eine Unterschriftensammlung initiiert, um eine Tempo-70-Zone zu erreichen. 850 Bürger unterstützten das Anliegen, die Stadt leitete es an die Straßenbauverwaltung weiter. Ohne nennenswerten Erfolg – bis zu dem Busunfall.
Das beschlossene Maßnahmenpaket
In seiner jüngsten Sitzung reagierte der Stadtrat nun mit einem Bündel aus vier Maßnahmen. Erstens: Die Geschwindigkeit wird im Bereich der Unfallstelle auf 70 Stundenkilometer reduziert. Zweitens: Ein vollwertiger Linksabbieger entlastet künftig den fließenden Verkehr. Drittens: Die Straßenbeleuchtung wird auf energiesparende LED-Technik umgestellt und ausgedehnt. Viertens: Eine Ampelschaltung mit Bedarfsknopf für Fußgänger und Radfahrer ermöglicht ein sicheres Queren.
Die Stadt beziffert die Kosten auf 300.000 Euro. Der Freistaat Bayern hat eine Förderung von 80 Prozent in Aussicht gestellt. Die technischen Planungen sollen noch in diesem Jahr anlaufen, die Bauarbeiten sind für das kommende Frühjahr vorgesehen.
Landkreis und Anwohner einbezogen
Landrat Leo Schrell begrüßte die Entscheidung aus Wertingen ausdrücklich. Er nannte das Paket einen wichtigen Schritt für mehr Verkehrssicherheit im Landkreis Dillingen. Auch das staatliche Bauamt in Krumbach ist eingebunden. Die Behörde muss die Anordnung von Tempo 70 als straßenrechtliche Anordnung genehmigen.
Die Stadtverwaltung will die Bürger bereits in den kommenden Wochen in einer Informationsveranstaltung über die Details informieren. Zudem wird geprüft, ob eine zusätzliche Fußgängerbrücke über die B16 in der Nähe der Grundschule sinnvoll ist. Diese würde allerdings die Kosten deutlich erhöhen.
Bereits mehrere Unfälle in der Vergangenheit
Die Polizei Wertingen bestätigt, dass es an der Kreuzung in den letzten fünf Jahren vier Unfälle mit insgesamt sechs Verletzten gegeben hat. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da kleinere Auffahrunfälle nicht immer angezeigt werden. Besonders tückisch ist die Kombination aus hoher Geschwindigkeit und abbiegenden Fahrzeugen. Die jüngste Kollision zwischen einem Schulbus und einem Pkw hätte noch schwerer enden können.
Nach dem Unfall wurden Schüler durch Rettungskräfte betreut, ein Kriseninterventionsteam war im Einsatz. Die beiden verletzten Jugendlichen konnten nach ambulanter Behandlung wieder nach Hause entlassen werden.
Politischer Schulterschluss
Im Stadtrat herrscht Einigkeit, dass die Maßnahmen überfällig waren. Haushaltsmittel werden aus dem laufenden Programm für Straßensanierung umgeschichtet. Die Fraktionsvorsitzenden von CSU, SPD und Freien Wählern wiesen darauf hin, dass die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern nicht von der Haushaltslage abhängen dürfe. Man habe sich daher gemeinsam für die Priorisierung der Maßnahme starkgemacht.
Die Entscheidung aus Wertingen könnte nun auch Signalwirkung auf andere Gemeinden haben. Im Landkreis Dillingen gibt es mehrere ähnlich gefährliche Kreuzungen, an denen eine Reduzierung der Geschwindigkeit eigens geprüft werden soll. Der Landrat kündigte an, das Thema in den nächsten Verkehrsausschuss zu bringen.
Ausblick
Die Projekte sind Teil eines umfassenderen Verkehrssicherheitskonzepts für die Stadt. In den kommenden Jahren sollen auch der Ortskern und der Bereich am Schulzentrum überplant werden. Die Grundschule erhält zudem ein neues Elternhaltestellen-Konzept, damit die Verkehrssituation morgens entzerrt wird.
Bis die Baumaßnahmen an der B16 starten, werden provisorische Warnschilder und eine mobile Geschwindigkeitsanzeige aufgestellt, um die Autofahrer zu sensibilisieren. Auch ist eine verstärkte Geschwindigkeitskontrolle der Polizei geplant. Die Stadt hofft, dass diese Übergangslösungen zur Entspannung der Lage beitragen, bevor das 300.000-Euro-Paket vollständig umgesetzt wird.



