Nebelanlagen in Hameln: Wie feine Wassertropfen Innenstädte kühlen
Nebelanlagen in Hameln kühlen Innenstädte

Angesichts immer häufigerer Hitzetage setzt die Stadt Hameln auf eine innovative Technologie: Nebelanlagen, die fein zerstäubtes Wasser versprühen, sollen die Innenstadt kühlen. Freiraumplaner Hans Heitzer beschreibt die Plätze rund um die Marktkirche und das Hochzeitshaus als „unsere gute Stube“ und „Wohnzimmer im Freien“, doch im Sommer werden sie oft unerträglich heiß. Die neue Technik soll Abhilfe schaffen.

Zweite Nebelanlage in Hameln installiert

In der Rattenfängerstadt wurde kürzlich eine zweite Nebelanlage aufgestellt, die erste steht seit Sommer 2025. Die Kosten betrugen 37.000 Euro für die erste und 77.000 Euro für die zweite Anlage, wie die Verwaltung mitteilte. Weitere Anlagen sind zunächst nicht geplant. Die Technologie erzeugt einen feinen Nebel, der die Umgebungsluft kühlt und Passanten erfrischt.

Positive Resonanz in der Bevölkerung

Nach anfänglicher Skepsis habe sich die Akzeptanz verbessert, so Heitzer: „Mit den ersten Erfahrungen, gerade auch bei hohen Temperaturen, ist die Kritik leiser geworden.“ Die Anlagen sind von Mai bis September in Betrieb und werden zum Frostschutz abgeschaltet. Die ältere Anlage verbraucht schätzungsweise 170 Liter Wasser pro Tag, die neuere 450 Liter, erklärte Stadtsprecherin Wiebke Kanz. Das Wasser wird aufbereitet und die Anlage täglich durchgespült. Probleme mit der Wasserversorgung gab es nicht.

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Kühleffekt bis zu zehn Grad

Laut Herstellerangaben beträgt der Kühleffekt bis zu zehn Grad Celsius, bestätigt durch eine Untersuchung der Technischen Hochschule Augsburg. Johannes Ringel, Professor für Stadtentwicklung an der Universität Leipzig, erklärte bereits 2022: „Wenn warme Luft über Wasserflächen streicht, verdunstet Wasser. Dabei wird der Luft Wärme entzogen, es wird fühlbar kühler. Fontänen und Sprühnebel können das noch verstärken.“ Die TH Augsburg ergänzt: „Nicht verdunstetes Wasser, das auf der Haut landet, entzieht dem Körper zusätzlich Wärme. Insgesamt entsteht ein angenehmer Kühleffekt.“

Feinstaubreduktion und Standortvorteile

Klimaanpassungsmanagerin Janine Möller betont, dass der Nebel auch den Feinstaubanteil in der Luft reduziere. Die ältere Anlage steht neben einer Bushaltestelle an einer sechsspurigen Hauptstraße – einem der heißesten Orte der Stadt. Die Technologie ist nicht neu; ähnliche Anlagen gibt es in Hamburg, Berlin, Wien oder Südeuropa. In Niedersachsen sind sie jedoch selten: Dem Städtetag sind nur die Anlagen in Hameln und eine in Osnabrück bekannt.

Mobile Anlagen als flexible Lösung

Die Osnabrücker Anlage teilt mit der neuen Hamelner die Besonderheit, dass sie versetzt werden kann. „Man braucht nur einen Wasser- und Stromanschluss, die Wasseraufbereitung befindet sich bereits im System“, erklärte Heitzer. Die Technologie könne grundsätzlich überall eingesetzt werden. In Hameln ist sie Teil der Klimaanpassung, insbesondere dort, wo keine Bäume oder Wasserflächen möglich sind, etwa aufgrund von Rettungswegen. Der Städtetag ergänzt: „Die Hochdrucknebelanlagen können also Lücken im städtischen Hitzeschutzkonzept schließen“, so Hauptgeschäftsführer Jan Arning.

Übergangslösung beim klimagerechten Umbau

Heitzer wies darauf hin, dass neue Bäume Zeit brauchen, um Schatten zu spenden. Nebelanlagen könnten als Übergangslösung dienen. Laut Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe ist der Hitzeschutz in größeren Städten Niedersachsens höchstens mittelmäßig. Die Untersuchung berücksichtigt Oberflächentemperatur, Schatten durch hohe Bäume und die Entwicklung versiegelter Flächen.

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