Niedrigwasser am Rhein: Krischer fordert Taskforce und Geld
Niedrigwasser: Krischer fordert Taskforce und Geld

In dieser Woche droht der Rhein einen historischen Tiefstand zu erreichen. An der Engstelle Kaub wird für Freitag ein Pegel von nur noch 18 Zentimetern erwartet, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes am Montag mitteilte. Schon für Donnerstag sagen die Prognosen 19 Zentimeter voraus – das wäre deutlich unter dem bisherigen Rekord-Tagesdurchschnitt von 25 Zentimetern aus dem Oktober 2018. Aktuell liegt der Pegel noch bei 28 Zentimetern. Ausbleibende Regenfälle und die anhaltende Hitzewelle haben den Fluss auf ein kritisches Niveau absinken lassen.

Taskforce nach dem Vorbild von 2018

Angesichts der Lage fordert Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) eine nationale Taskforce, die rasch konkrete Maßnahmen abstimmen soll. Dazu gehören nach seinen Angaben zusätzliche Lagerkapazitäten in den Häfen für Gefahrgüter, zusätzliche Bahnkapazitäten sowie die Frage, „wie priorisiert werden kann, was transportiert werden soll“. Das sagte Krischer im ZDF-„Morgenmagazin“.

Ein solches Vorgehen habe sich bereits 2018 bewährt, als der Rhein ebenfalls extrem niedrige Wasserstände erreicht hatte. Krischer machte jedoch deutlich: „Das wird nicht das Problem völlig aus der Welt verschwinden lassen. Es kann aber an vielen Stellen die Situation verbessern helfen.“ Die Taskforce soll nach seiner Vorstellung Fachleute aus der Logistikbranche, den Kommunen sowie den Landes- und der Bundesregierung zusammenbringen.

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Anders als damals komme das Niedrigwasser in diesem Jahr jedoch sehr früh. „2018 hatten wir es erst im Spätsommer, im Herbst, jetzt schon im Hochsommer“, sagte der Minister. „Wir müssen mehrere Wochen und Monate wahrscheinlich mit der Situation umgehen.“

Ausbau der Fahrrinne scheitert am Geld des Bundes

Mittelfristig dringt Krischer auf den Ausbau der Rhein-Fahrrinne. „Das ist völlig richtig und notwendig“, betonte er im „Morgenmagazin“. Konkrete Planungen lägen seit vielen Jahren vor, ein Abschnitt sei bereits fertig geplant: „Da könnte quasi morgen mit dem Bau begonnen werden. Da fehlt nur leider das Geld des Bundes.“

Zuständig ist der Bund, weil es sich beim Rhein um eine Bundeswasserstraße handelt. Krischer kritisierte, dass die dafür vorgesehenen Mittel für 2025 „aus unerfindlichen Gründen“ gestrichen worden seien. Die Optimierung der Fahrrinne würde in einer Niedrigwassersituation sehr helfen und müsse nun „mit Nachdruck umgesetzt werden“, so der Grünen-Politiker.

Wirtschaft vor massiven Lieferketten-Problemen

Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas. Über ihn werden Rohstoffe wie Getreide, Mineralien, Erze, Kohle und Ölprodukte transportiert. Die niedrigen Pegelstände bremsen den Güterverkehr massiv aus, erklärte der Logistik-Experte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Dirk Binding, der Nachrichtenagentur Reuters.

Binnenschiffe können bei Niedrigwasser nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Last aufnehmen. „Das führt zu Engpässen, steigenden Transportkosten und längeren Lieferzeiten“, betonte Binding. Die Lieferketten zentraler Industriezweige wie der Chemieindustrie, der Stahlbranche und der Mineralölwirtschaft gerieten dadurch ins Stocken – mit Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft. „Hält die Trockenheit weiter an, wäre das ein weiterer Belastungsfaktor für die ohnehin schon stark angeschlagene deutsche Wirtschaft“, warnte der DIHK-Experte.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten mehrere Unternehmen in der Region vor Produktionsbehinderungen gewarnt. Der Rohstofftransport über den Rhein gilt als Rückgrat vieler Lieferketten. Sollte der Pegel weiter sinken, drohen deutlich höhere Frachtraten und Verzögerungen bei der Versorgung Industrie und Energieerzeugung. Die von Krischer vorgeschlagene Taskforce könnte hier kurzfristig für Entlastung sorgen, etwa durch die Verlagerung auf die Schiene oder zusätzliche Pufferlager. Ob das reicht, hängt jedoch auch von der Wetterlage ab – die Prognosen für die kommenden Wochen versprechen bislang kaum Entspannung.

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