Schulbusunfall in Wertingen: Kein Schuldiger – Ermittlungen eingestellt
Schulbusunfall in Wertingen: Kein Schuldiger

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zum Schulbusunfall in Wertingen eingestellt. Wie die Behörde mitteilte, ergab das abschließende Gutachten keinen Anhaltspunkt für eine strafrechtliche Verantwortung des Fahrers oder eines Dritten. Der Unfall sei auf eine plötzlich auftretende gesundheitliche Störung des Fahrers zurückzuführen, die nicht vorhersehbar gewesen sei.

Medizinischer Notfall am Steuer

Nach den Erkenntnissen der Gutachter erlitt der Fahrer während der Fahrt eine kurzzeitige Ohnmacht. Diese habe zu einem vollständigen Verlust der Kontrolle über das Fahrzeug geführt. Der Bus kam daraufhin von der Fahrbahn ab und blieb auf einem angrenzenden Grünstreifen stehen. Bei dem Unfall wurden mehrere Kinder leicht verletzt. Sie wurden vor Ort von Rettungskräften behandelt, ein Krankenhausaufenthalt war nicht erforderlich.

Die medizinische Ursache für den Schwächeanfall war nach Angaben eines beauftragten Arztes eine bisher unentdeckte Herzrhythmusstörung. Der Busfahrer habe zuvor keinerlei Beschwerden gehabt, auch bei den regelmäßigen Tauglichkeitsuntersuchungen waren keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Damit sei ein Verschulden des Fahrers ausgeschlossen.

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Technik und Straße ohne Fehler

Die Ermittler haben zudem den technischen Zustand des Busses untersuchen lassen. Die Bremsanlage, die Reifen und die Lenkung funktionierten einwandfrei. Ein Sachverständiger bestätigte, dass die Wartungsarbeiten am Fahrzeug ordnungsgemäß durchgeführt worden waren. Auch die Straßenverhältnisse am Unfallort waren zum Zeitpunkt des Geschehens trocken und gut einsehbar. Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Ablenkungen durch elektronische Geräte konnten ebenfalls ausgeschlossen werden.

Die Polizei hat die Unfallstelle für mehrere Stunden gesperrt. Die Ermittlungen dauerten mehrere Wochen. Während dieser Zeit wurden Zeugen befragt, Fahrtenschreiberdaten ausgewertet und Unfallrekonstruktionen durchgeführt. Eine Vernehmung des Busfahrers erfolgte unmittelbar nach dem Unfall im Krankenhaus.

Reaktionen auf den Ermittlungsabschluss

Die Schulleitung der betroffenen Schule zeigt sich erleichtert über das Ergebnis. Der Unfall habe sich tief in das Gedächtnis der Kinder eingegraben. Die schulpsychologische Betreuung werde fortgesetzt, um die Erlebnisse aufzuarbeiten. Auch der Elternbeirat sprach von einer tragischen Verkettung von Umständen, gegen die niemand etwas hätte tun können.

Der Busfahrer selbst hat sich inzwischen vollständig erholt. Wie sein Arbeitgeber mitteilte, soll er nach einer weiteren medizinischen Abklärung wieder in seinen Beruf zurückkehren. Sozialpädagogische Begleitung und eine schrittweise Wiedereingliederung sind geplant. Die zuständige Berufsgenossenschaft ist in das Verfahren eingebunden.

Das tragische Ereignis bleibt für die Beteiligten dennoch prägend. Die Staatsanwaltschaft betonte in ihrer Stellungnahme, dass ein Unglück dieser Art ohne menschliches Verschulden nicht automatisch zur Einstellung von Schadensersatzansprüchen führe. Über die Kostenübernahme für die medizinische Betreuung und eventuelle Sachschäden müsse im zivilrechtlichen Rahmen entschieden werden.

Im Landkreis Dillingen, zu dem Wertingen gehört, werden täglich Hunderte von Kindern mit dem Bus zur Schule gebracht. Die Kreisverwaltung hat nach dem Vorfall angekündigt, die Sicherheitsstandards zu überprüfen. Dazu gehören der Austausch mit den Busunternehmen über Notfallpläne sowie die freiwillige Ausstattung der Fahrzeuge mit zusätzlichen Assistenzsystemen. Solche Maßnahmen seien unabhängig von der Schuldfrage sinnvoll, hieß es aus dem Landratsamt.

Der ADAC wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Ohnmachtsanfälle am Steuer zwar selten, aber besonders tückisch seien, da der Fahrer keine Möglichkeit mehr habe zu reagieren. Moderne Notfallassistenten in Bussen könnten im Ernstfall das Fahrzeug automatisch bremsen. Eine gesetzliche Pflicht hierfür existiert allerdings bislang nicht. Die Diskussion darüber hat durch den Vorfall in Wertingen neuen Auftrieb erhalten.

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