Zum Auftakt eines viertägigen Warnstreiks ist der Nahverkehr in weiten Teilen Sachsen-Anhalts am Donnerstag weitgehend zum Erliegen gekommen. In Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau fuhren Busse und Straßenbahnen nur eingeschränkt oder gar nicht, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Pendler und Schüler mussten sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen.
Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich in Magdeburg rund 300 Beschäftigte der Verkehrsbetriebe, in Dessau etwa 150. Auch in Halle sei die Beteiligung hoch gewesen. Die Beschäftigten fordern vor allem Entlastungen bei den Arbeitszeiten. Nicht selten komme es zu 12-Stunden-Tagen, etwa durch Leerzeiten und Rückwege vom Ort des Dienstendes, sagte der zuständige Gewerkschaftssekretär Benjamin Schladitz.
In Magdeburg richteten die Verkehrsbetriebe einen Notbetrieb ein. Zwischen 6.00 und 20.00 Uhr verkehrten nur wenige Straßenbahn- und Buslinien in größeren Abständen. Auch einzelne Schulbusse und die Buslinie 42 waren unterwegs. Ein eingeschränkter Notverkehr soll auch am Freitag sowie am Wochenende angeboten werden. Am Samstag und Sonntag ist ein Grundangebot geplant, allerdings nur in der Zeit etwa zwischen 9.30 und 17.00 Uhr und mit weiter reduziertem Liniennetz. Für den gesamten Notverkehr gilt, dass es keinen festen Fahrplan gibt.
In Halle lief der Verkehr ebenfalls nur eingeschränkt. Das Unternehmen hatte für alle Streiktage einen Ersatzfahrplan organisiert. Mehrere Straßenbahnlinien waren in Betrieb, allerdings mit deutlich reduziertem Angebot. Ganz anders die Lage in Dessau-Roßlau: Dort stand der Nahverkehr nach Angaben der Gewerkschaft vollständig still. Ein Ersatzangebot gab es nicht.
Im Burgenlandkreis fuhren Busse dagegen zunächst weiter. Die Gewerkschaft hatte den dort geplanten Streik kurzfristig zurückgenommen, nachdem die Personenverkehrsgesellschaft (PVG) gerichtlich dagegen vorgegangen war. Allerdings kündigte Verdi bereits neue Arbeitskämpfe an: Von Dienstag bis Freitag kommender Woche soll der Streik nachgeholt werden. Für Fahrgäste könnte das besonders spürbar werden, da der Ausstand dann an Werktagen statt am Wochenende stattfindet.
Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr. Verdi fordert unter anderem eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich sowie bessere Arbeitsbedingungen. Die Arbeitgeber halten dies für finanziell nicht darstellbar. Für zusätzliche Belastungen sorgt ein weiterer Warnstreik am Freitag: Dann sollen auch im Regionalbusverkehr in mehreren Landkreisen Busse ausfallen.



