Wenn die Temperaturen im Sommer steigen, leiden viele Kübelpflanzen. Doch mit der richtigen Vorbereitung überstehen Topfpflanzen auch extreme Hitzephasen. Gartendesignerin Annette Lepple erklärt im Gespräch mit myHOMEBOOK, worauf es wirklich ankommt.
Große Kübel sind der beste Hitzeschutz
Die wichtigste Maßnahme ist das Volumen des Topfes. „Große Behälter halten die Feuchtigkeit länger als kleine", sagt Lepple zu myHOMEBOOK. Ihre Empfehlung: Das Fassungsvermögen sollte mindestens 40 Liter betragen. Wer größere Pflanzen oder sogar kleine Sträucher kultivieren möchte, sollte noch großzügiger dimensionieren.
Auch das Material beeinflusst das Klima im Wurzelbereich. Dunkle Metall- oder Kunststoffgefäße heizen sich in der prallen Sonne schnell auf und können die Wurzeln schädigen. Hochwertige, frostbeständige Tontöpfe haben sich laut Lepple bewährt, weil ihre Wände Temperaturschwankungen abpuffern. Ton ist porös und ermöglicht einen gewissen Luftaustausch, zudem verdunstet überschüssiges Wasser über die Wand. Wer einen Balkon oder eine Terrasse mit geringer Traglast hat, greift besser zu hellen Gefäßen aus Kunststoff oder Fiberglas. Diese sind deutlich leichter und reflektieren das Sonnenlicht stärker als dunkle Behälter.
Die richtige Erde speichert Wasser und Nährstoffe
Viele Topfgärten scheitern an der falschen Substratmischung. Herkömmliche torfhaltige Blumenerde hat einen entscheidenden Nachteil: Trocknet sie erst einmal aus, nimmt sie nur schwer wieder Wasser auf. Dann läuft das Gießwasser einfach an der Oberfläche ab und erreicht die Wurzeln nicht. Lepple empfiehlt daher lehmhaltige, torffreie Substrate. Diese können Feuchtigkeit und Nährstoffe besser binden und geben sie bei Bedarf an die Pflanzen ab.
Zusätzliche Zuschläge verbessern die Wasserspeicherung weiter. Kokosfasern lockern das Substrat auf und halten Wasser wie ein Schwamm. Lavagranulat sorgt für eine gute Drainage und verhindert Staunässe. Schafwollpellets speichern Stickstoff und geben ihn langsam ab, während Vermiculit das Porenvolumen erhöht und die Bodenstruktur stabilisiert. Für Sukkulenten wie Kakteen oder Hauswurz ist dagegen eine magere, sandig-kiesige Erde ideal, da diese Pflanzen Trockenheit bevorzugen und Staunässe nicht vertragen.
Mulch schützt vor Austrocknung und Unkraut
Eine Schicht Mulch auf der Erdoberfläche wirkt wie ein Schirm und reduziert die Verdunstung erheblich. Zudem hält Mulch das Unkraut zurück und fördert das Bodenleben. Welches Material sich eignet, hängt von der Bepflanzung ab. Für Stauden und Gehölze empfiehlt Lepple organische Materialien wie Kompost oder Häckselgut. Diese zersetzen sich mit der Zeit und liefern zusätzliche Nährstoffe. Mediterrane Kräuter wie Lavendel oder Thymian sowie Sukkulenten bevorzugen mineralische Mulche etwa aus Kies oder Splitt, die die Wärme speichern und die Pflanzen an ihre natürlichen Standorte erinnern.
Diese Pflanzen trotzen der Hitze
Für sonnige Südlagen nennt Lepple eine Reihe mediterraner und steppenartiger Gewächse, die mit hohen Temperaturen gut zurechtkommen. Dazu gehören Lavendel, Rosmarin, Thymian und Dost – alle duften intensiv und ziehen Bienen an. Auch Zistrosen mit ihren zarten Blüten sowie Hauswurz, Fetthennen und Mittagsblumen sind echte Sonnenanbeter.
Wer den Stil eines Steppengartens mag, kann zu Lein, Disteln, Blauschwingel, Federgras oder Walzenwolfsmilch greifen. Diese Pflanzen sind an trockene Standorte angepasst und benötigen kaum zusätzliches Wasser. Oleander und Wandelröschen bringen südländisches Flair auf den Balkon, brauchen aber mehr Wasser und regelmäßige Düngergaben, um bei Hitze zu blühen.
Mehrjährige Pflanzen sind besser gerüstet
Ein weiterer Vorteil: Mehrjährige Kräuter und Stauden haben in der Regel ein tieferes und dichteres Wurzelnetz ausgebildet, das den Topf besser durchdringt. Dadurch gelangen sie auch an Wasserreserven in tieferen Erdschichten. Einjährige Sommerblumen haben dagegen oft nur ein flaches Wurzelsystem und trocknen schneller aus.
Für den Winter benötigen mehrjährige Kübelpflanzen jedoch Schutz. Lepple rät zu einem Platz an der Hauswand, der vor Regen und Schnee schützt. Der Topf sollte auf Holz oder Styropor stehen, damit die Wurzeln nicht von unten einfrieren. Ein Jute-Umbinden oder ein Vlies zusätzlich hilft, extremen Frösten zu trotzen.
Häufiger Fehler: zu wenig Erde
Einen Fehler beobachtet die Gartenexpertin besonders oft: Kübel werden nur teilweise mit Erde befüllt. Zwar ist ein kleiner Gießrand sinnvoll, um Wasser aufzunehmen, doch wer zu viel Volumen frei lässt, verschenkt wertvollen Speicherraum. Gerade bei großen Töpfen sollte die Erde möglichst bis knapp unter den Rand aufgefüllt werden. So steht den Wurzeln das komplette Volumen zur Verfügung und die Pflanzen sind besser für Hitzewellen gerüstet.
Die Meldung basiert auf einem Interview von myHOMEBOOK, das ebenfalls zu Axel Springer gehört.



