Der geplante Abriss einer Turnhalle in Bad Wörishofen sorgt weiterhin für Aufregung. Nachdem ein Stadtratsmitglied überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte, gibt es nun neue Diskussionen über den Vertrag zwischen der Stadt und dem Betreiber. Die Stadtverwaltung betont, dass der Rücktritt nicht im Zusammenhang mit dem Abriss stehe, doch viele Bürger sehen das anders.
Hintergrund des Abrisses
Die Turnhalle, die in den 1970er Jahren erbaut wurde, soll einem Neubau weichen. Die Stadt hatte den Abriss beschlossen, weil das Gebäude renovierungsbedürftig ist und die Kosten für eine Sanierung zu hoch wären. Laut Schätzungen würde eine Sanierung rund 2,5 Millionen Euro kosten, während ein Neubau nur etwa 1,8 Millionen Euro verschlingen würde. Diese Zahlen nannte Oberbürgermeister Stefan Welzel in der jüngsten Stadtratssitzung.
Der Rücktritt des Stadtratsmitglieds Hans-Peter Mayer (CSU) sorgte für Verwunderung. Mayer begründete seinen Schritt mit persönlichen Gründen, doch in der Bevölkerung wird gemutmaßt, dass er mit der Entscheidung zum Abriss nicht einverstanden war. Die Stadtverwaltung wies diese Spekulationen zurück: „Der Rücktritt erfolgte aus rein privaten Motiven und hat nichts mit dem Turnhallen-Projekt zu tun“, sagte Stadtsprecherin Sabine Müller.
Streit um den Vertrag
Zusätzlich zum Rücktritt gibt es Unstimmigkeiten über den Vertrag zwischen der Stadt und dem Sportverein, der die Halle bislang nutzt. Der Vertrag läuft noch bis 2025, doch die Stadt möchte ihn vorzeitig auflösen, um mit dem Abriss beginnen zu können. Der Sportverein wehrt sich jedoch gegen eine vorzeitige Beendigung und fordert eine Entschädigung. „Wir haben einen gültigen Vertrag und erwarten, dass die Stadt sich daran hält“, erklärte der Vereinsvorsitzende Thomas Berger.
Die Stadt bietet dem Verein als Ausgleich eine Ersatzfläche in einer anderen Halle an. Diese sei jedoch nicht ausreichend, so Berger, da die Halle für den Trainingsbetrieb der Jugendmannschaften unerlässlich sei. Der Verein hat bereits angekündigt, rechtliche Schritte zu prüfen, falls keine Einigung erzielt wird.
Reaktionen aus der Politik
Die Opposition im Stadtrat kritisiert die Informationspolitik der Stadt. „Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, warum der Rücktritt erfolgt ist und wie es mit dem Vertrag weitergeht“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anna Schneider. Sie forderte eine Sondersitzung des Stadtrats, um die Angelegenheit zu klären. Die Stadtverwaltung hat jedoch bislang keine solche Sitzung einberufen.
Der Abriss soll ursprünglich im Frühjahr 2025 beginnen. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist angesichts der rechtlichen Auseinandersetzung ungewiss. Die Stadt hofft, eine außergerichtliche Einigung mit dem Verein zu erzielen, um Verzögerungen zu vermeiden.
Ausblick
Die Diskussion um den Turnhallen-Abriss zeigt, wie sensibel solche Projekte in der Bevölkerung wahrgenommen werden. Viele Bürger fühlen sich von der Stadt nicht ausreichend informiert. Die Stadtverwaltung kündigte an, in den kommenden Wochen eine Informationsveranstaltung für die Anwohner durchzuführen. Dort sollen alle offenen Fragen geklärt werden.
Bis dahin bleibt die Situation angespannt. Der Sportverein hat angekündigt, weiterhin für den Erhalt der Halle zu kämpfen. Die Stadt hingegen sieht keinen anderen Weg, als die marode Halle abzureißen und neu zu bauen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Konflikt entwickelt.



