In Nordrhein-Westfalen tobt ein interner Machtkampf in der AfD, der nun durch geleakte Chatprotokolle öffentlich geworden ist. Die Chats zeigen eine tiefe Spaltung und persönliche Angriffe: Die Bundesvorsitzende Alice Weidel wird von ihren Gegnern als „Alice Merkel“ verhöhnt, während Kritiker als „Terroristen“ und „Schattenarmee“ bezeichnet werden. Der Streit dreht sich um die Führungsfrage und die Rolle Weidels bei der Eskalation.
Hintergrund des Machtkampfs
Der Konflikt in der nordrhein-westfälischen AfD schwelt seit Monaten. Auslöser war das gescheiterte Mediationsverfahren zwischen dem NRW-Landeschef Martin Vincentz und der Bundespartei. Vincentz wirft der Bundesführung um Weidel und Tino Chrupalla vor, die Basis zu übergehen und einen autoritären Kurs zu fahren. Die internen Chats, die dem SPIEGEL vorliegen, dokumentieren die zunehmende Verrohung der Auseinandersetzung.
In den Nachrichten ist von einer „Schattenarmee“ die Rede, die angeblich die Partei unterwandere. Weidel selbst wird als „Alice Merkel“ diffamiert, ein Seitenhieb, der ihr eine zu moderate, an Angela Merkel erinnernde Politik unterstellt. Die Wortwahl zeigt, wie tief die Gräben in der Partei mittlerweile sind.
Weidels Rolle im Zentrum der Kritik
Die Frage, ob Weidel in die Eskalation verstrickt ist, steht im Raum. Kritiker werfen ihr vor, die Konfrontation bewusst zu schüren, um ihre eigene Machtposition zu festigen. Ein namentlich nicht genannter Funktionär aus NRW wird mit den Worten zitiert: „Sie spielt ein doppeltes Spiel – nach außen besänftigend, nach innen anheizend.“ Weidel selbst bestreitet dies und betont, sie setze sich für eine Einigung der Partei ein.
Die Chats belegen jedoch, dass Weidel in internen Diskussionen immer wieder Zielscheibe von Angriffen ist. Ihre Unterstützer weisen die Vorwürfe zurück und sehen darin einen Versuch, die Bundesvorsitzende zu diskreditieren. Der Machtkampf in NRW könnte sich auf die gesamte Partei ausweiten und die AfD vor der nächsten Bundestagswahl schwächen.
Auswirkungen auf die Bundespartei
Der Konflikt in Nordrhein-Westfalen ist kein Einzelfall. Ähnliche Auseinandersetzungen gibt es in mehreren Landesverbänden. Die Bundespartei versucht zu vermitteln, doch die Fronten sind verhärtet. Der Ausgang des Machtkampfs in NRW könnte Signalwirkung haben: Sollte sich der Vincentz-Flügel durchsetzen, wäre dies ein Rückschlag für Weidel und Chrupalla. Ein Beobachter der Partei kommentierte: „Es geht um nichts weniger als die künftige Ausrichtung der AfD – nationalkonservativ oder radikaler.“
Die geleakten Chats haben die Debatte weiter angeheizt. In den sozialen Medien wird der Streit offen ausgetragen. Die Parteispitze bemüht sich um Schadensbegrenzung, doch die Wunden sind tief. Ob die AfD diesen Konflikt überwinden kann, bleibt fraglich.



