Alice Weidel ist beim AfD-Bundesparteitag in Erfurt mit 81,3 Prozent der Delegiertenstimmen als Parteichefin bestätigt worden und konnte ihr Ergebnis von knapp 80 Prozent aus dem Jahr 2024 verbessern. Ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla hingegen erhielt nur 70,05 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 82,72 Prozent vor zwei Jahren. Der Parteitag begann am Samstag trotz massiver Proteste und Blockadeversuchen des Aktionsbündnisses „Widersetzen“ planmäßig und wird am Sonntag fortgesetzt.
Proteste und Polizeieinsatz
Die Polizei zählte am Samstag rund 31.000 Demonstranten, das Bündnis „Widersetzen“ sprach von mindestens 50.000 Teilnehmern. Der Einsatz verlief nach Angaben von Polizeisprecher Daniel Lenk „sehr zufriedenstellend“ und weitgehend friedlich. Es wurden 48 Straftaten und elf Ordnungswidrigkeiten registriert. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) zeigte sich zufrieden: „Man kann zufrieden sein. Es ist bunt und laut.“ Er hoffe, dass die weiteren Aktionen bis Sonntag gewaltfrei blieben.
Vereinzelt kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen und Flaschenwürfen, bei denen zwei Journalisten verletzt wurden. Ein Reporterteam des rechten Online-Magazins „Apollo News“ wurde nach eigenen Angaben attackiert. Die Polizei konnte dies zunächst nicht bestätigen.
Wahlen und Personalentscheidungen
Neben den Vorsitzenden wurden auch die Stellvertreter neu gewählt. Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen, von Weidel vorgeschlagen, erhielt 50,7 Prozent der Stimmen und wurde stellvertretender Vorsitzender. Der Vertraute von Björn Höcke, Stefan Möller, wurde mit 76,54 Prozent zum stellvertretenden Bundessprecher gewählt. Kay Gottschalk, der sich ebenfalls beworben hatte, scheiterte mit rund 36 Prozent.
Zum neuen Bundesschatzmeister bestimmten die Delegierten Hannes Gnauck, der sich im dritten Wahlgang mit 51 Prozent gegen Amtsinhaber Carsten Hütter durchsetzte. Gnauck, Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Soldat auf Zeit, sagte: „Ich bin gelernter Kaufmann, ich kann und ich will führen.“ Hütter hatte betont, die AfD habe unter ihm einen Kontostand von rund 14 Millionen Euro.
Höckes Rede und Brandmauer-Debatte
Björn Höcke erklärte in seiner Rede die „Brandmauer“ für gescheitert und drohte der „bunten Zivilgesellschaft“: „Wenn wir regieren, dann wird der bunten Zivilgesellschaft der Steuerstecker gezogen.“ Er forderte eine „objektive Berichterstattung“ von der Presse. Zuvor hatte Höcke einen Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste mit extremistischen Organisationen auf Druck der Parteispitze zurückgezogen. Weidel versprach, der Bundesvorstand werde sich des Themas innerhalb eines Jahres annehmen.
Symbolik und Kritik
Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch kritisierte, die AfD stelle sich mit dem Parteitagstermin und -ort bewusst in die Tradition der NSDAP. Der Parteitag fand genau 100 Jahre nach dem Reichsparteitag der NSDAP im nahen Weimar statt. „Mit ihrem Parteitag in Thüringen stellt die AfD sich in die Tradition eines NSDAP-Parteitags, der sich durch die Gründung der Hitler-Jugend, die öffentlichkeitswirksame Inszenierung des Hitler-Grußes und die Aufwertung der SS auszeichnete“, sagte Audretsch.
Am Sonntag stehen weitere Satzungsfragen und die Wahl von Ersatzrichtern für das parteiinterne Gericht an. Die AfD will sich nach eigenen Angaben auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vorbereiten.



