Weidel mit 81,31 Prozent wiedergewählt
Auf dem AfD-Parteitag in Erfurt wurde Alice Weidel am 5. Juli 2026 mit 81,31 Prozent der Delegiertenstimmen zur Bundessprecherin wiedergewählt. 461 Delegierte stimmten für sie, 106 dagegen. Das Ergebnis liegt nur knapp über dem Wert von vor zwei Jahren, trotz Rekordumfragen und gestiegener Mitgliederzahlen von 75.000.
Weidels Macht und ihr Netzwerk
Weidel gilt als autoritäre Führungsfigur, die ihre Position durch ein Netzwerk junger Radikaler wie Sebastian Münzenmaier, Hannes Gnauck und Dennis Hohloch absichert. Dieses Netzwerk half, eigene Leute in wichtige Vorstandsposten zu bringen. Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder beobachtete: „Weidel gilt als autoritär, artifizielle Gouvernante der Partei, jemand, der auch gern austeilt.“
Partei professionalisiert sich
Der Parteitag verlief disziplinierter als früher, mit weniger Zwischenrufen und spontanen Rebellionen. Die AfD hat ein stabiles Vorfeld aus neurechten Gruppen aufgebaut und eigene Akademien zur Nachwuchsrekrutierung. Ein ranghohes Mitglied eines ostdeutschen Landesverbands warnte jedoch: „Die AfD ist schnell erwachsen geworden. Wir müssen aufpassen, dass sie nicht schnell alt wird.“
Höcke bleibt ideologisches Korrektiv
Björn Höcke blieb auf dem Parteitag blass, entsandte aber seinen Vertrauten Stefan Möller in den Bundesvorstand. Schroeder sieht Höcke als „letzte ideologische Kontrollinstanz der Partei“, die radikale Impulse setzt, da Weidel und Chrupalla selbst nicht stark ideologisch geprägt seien.
Kritik an Weidels Führungsstil
Weidel wirkt oft distanziert und abgehoben, was ihr ein gutes, aber kein herausragendes Ergebnis einbrachte. Kritiker bemängeln, sie kümmere sich zu wenig um Konflikte in den Verbänden. Schroeder betont: „Niemand von den AfD-Funktionären hat bisher politische Verantwortung übernommen, keiner musste politische Krisen bewältigen.“ Die Partei betreibe vor allem „Klientelpolitik für die eigene Blase“ und sei „am Ende auch eine Partei der Loser und Besserwisser.“
Ausblick auf die Wahlen
Die AfD steht vor wichtigen Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Weidel rief zum „Superwahljahr der AfD“ auf. Ob die Partei ihre Professionalität im Regieren beweisen kann, bleibt abzuwarten.



