AfD-Co-Chef Tino Chrupalla (51) und der sachsen-anhaltische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) haben bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dessau-Roßlau die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ mitgesungen. Videos, die im Netz kursieren, zeigen die beiden Politiker, wie sie gemeinsam mit mehreren Hundert Besuchern das Lied anstimmen. Eigentlich sollte die deutsche Nationalhymne den Schlusspunkt setzen, doch der Kabarettist Uwe Steimle (63) hatte stattdessen das DDR-Lied angestimmt. Chrupalla und Siegmund lächelten und sangen teilweise mit. Anschließend wurde dann doch noch die deutsche Nationalhymne gespielt.
Scharfe Kritik aus Berlin
Das Singen der Hymne des untergegangenen Unrechtsstaates durch Politiker im vereinten Deutschland sorgte für scharfe Kritik aus Berlin. Der Chef des Bundeskanzleramtes, Thorsten Frei (52, CDU), äußerte sich beim Nachrichten-Sender „Welt TV“: „Ich finde es extrem befremdlich, und das gilt insbesondere dann, wenn das von politischen Repräsentanten gemacht wird, die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden müssen.“
Höcke sorgt für Kontroversen
Erst kürzlich hatte der Thüringer AfD-Rechtsaußen Björn Höcke (54) mit der Aussage für massive politische Kontroversen gesorgt, dass Westdeutsche im Gegensatz zu Ostdeutschen keine „echten“ Deutschen seien. Dazu sagte Frei: „Wir leben 36 Jahre nach der Wiedervereinigung, und wir sollten das Gemeinsame betonen und nicht das, was möglicherweise trennend sein könnte. Ich glaube, gerade auch in Ostdeutschland haben wir enorm viele Stärken. Die Länder in Ostdeutschland haben sich enorm entwickelt.“
Bundespolitik unterstützt Ostdeutschland
Frei weiter: „Wir versuchen, das durch die Bundespolitik auch zu unterstützen, dort industrielle Kerne entwickeln zu lassen, Wachstumspotenziale zu heben. Da sind Entscheidungen getroffen worden, die zu zusätzlichen Arbeitsplätzen etwa in Mecklenburg-Vorpommern und auch anderswo führen werden.“ Er halte nichts davon, Trennendes oder gar Mythologisches in den Mittelpunkt zu rücken. Frei: „Wir sind EIN Land, wir haben große Herausforderungen gemeinsam und daran sollten wir arbeiten.“
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. In Umfragen lag die AfD zuletzt mit Werten von etwa 40 Prozent deutlich vor der CDU. Die Partei tritt mit dem 35-jährigen Siegmund als Spitzenkandidat an. In Dessau-Roßlau kündigte Siegmund an, transparent regieren zu wollen – offenbar per Livestream. „Das heißt, da gibt es direkt das Video von mir aus der Staatskanzlei“, so der Politiker. So könne jeder im Land erfahren, „was hinter den Kulissen“ passiert.



