Bei einem Wahlkampf-Auftritt in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) hat die AfD am Ende der Veranstaltung die Hymne der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) angestimmt. Ein Video auf dem offiziellen Kanal AfD-TV zeigt, wie Parteimitglieder und Anhänger gemeinsam die Melodie der DDR-Hymne anstimmen. Die Aktion sorgt für erneute Kontroversen um die rechtsextreme Partei, die bereits mehrfach durch Grenzüberschreitungen im politischen Diskurs aufgefallen ist.
Hintergrund der Kontroverse
Die DDR-Hymne, offiziell „Auferstanden aus Ruinen“ mit Text von Johannes R. Becher und Melodie von Hanns Eisler, war von 1949 bis 1990 die Nationalhymne der DDR. Nach der Wiedervereinigung wird sie nur noch selten öffentlich gesungen, vor allem in rechtsextremen Kreisen, die die DDR verklären. Die AfD hat in der Vergangenheit immer wieder versucht, sich als Partei des Ostens zu positionieren und nutzt dabei Symbole und Lieder aus der DDR-Zeit.
Reaktionen auf den Vorfall
Politiker anderer Parteien verurteilten den Auftritt scharf. Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Sachsen-Anhalt, Karsten Neumann, sagte: „Die AfD zeigt mit diesem Auftritt erneut ihr wahres Gesicht. Sie verhöhnt die Opfer der SED-Diktatur und missbraucht die Geschichte der DDR für ihre rechtsextreme Propaganda.“ Auch Vertreter der CDU und der Linken kritisierten das Singen der DDR-Hymne als geschmacklos und gefährlich.
Die AfD selbst verteidigte den Auftritt. Ein Sprecher der Partei erklärte: „Die DDR-Hymne ist Teil der deutschen Geschichte. Wir zeigen damit, dass wir die Menschen im Osten verstehen und ihre Kultur respektieren.“ Diese Argumentation wird von Historikern und Politikwissenschaftlern jedoch als verharmlosend zurückgewiesen.
Einordnung durch den Verfassungsschutz
Erst kürzlich hatte der Verfassungsschutz die gesamte AfD offiziell als rechtsextremistisch eingestuft. Diese Einstufung untermauert die Beobachtung der Partei durch den Inlandsgeheimdienst. Der Auftritt in Sachsen-Anhalt könnte als weiterer Beleg für die verfassungsfeindliche Haltung der AfD gewertet werden.
Die Veranstaltung in Dessau-Roßlau ist Teil des Landtagswahlkampfs in Sachsen-Anhalt, wo die AfD bei der letzten Wahl 2021 auf 20,8 Prozent kam. In aktuellen Umfragen liegt die Partei bei etwa 25 Prozent, was sie zur stärksten Kraft im Land machen könnte.



