Auf dem Bundesparteitag der AfD in Erfurt haben die Delegierten Alice Weidel und Tino Chrupalla erneut zu den Co-Vorsitzenden gewählt. Weidel erhielt 81,3 Prozent der Stimmen, Chrupalla 70 Prozent. Beide waren die einzigen Kandidaten für die Spitzenpositionen. Die Doppelspitze wurde damit für weitere zwei Jahre bestätigt.
Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr
Während Weidel ihr Ergebnis im Vergleich zum Parteitag in Essen 2024 leicht steigern konnte (damals rund 80 Prozent), musste Chrupalla einen deutlichen Rückgang hinnehmen: Vor zwei Jahren hatte er noch knapp 83 Prozent erzielt. Die Vorsitzenden schlugen sich gegenseitig vor; Gegenkandidaten gab es nicht. Zuvor hatten die Delegierten mit deutlicher Mehrheit für die Beibehaltung der Doppelspitze gestimmt, obwohl die Satzung auch eine Einzelspitze erlaubt hätte.
Reden mit Angriffen und Machtanspruch
In ihrer Bewerbungsrede griff Weidel Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf an. Sie bezeichnete ihn als „Vivaldi unter den Regierungschefs – für alle vier Jahreszeiten eine Reformankündigung“. Weiter sagte sie: „Jedes Mal haut er kräftig auf die Pauke und danach folgt ein Streichkonzert.“ Damit warf sie Merz vor, Versprechen zu brechen. Lauten Jubel im Saal löste ihr Ausruf „Wir werden rigoros abschieben!“ aus.
Chrupalla formulierte in seiner Rede den Machtanspruch der Partei: „Wir wollen regieren“, sagte er. Man sei zu einer Volkspartei gewachsen und habe Oppositionsarbeit bewiesen. „Und wir werden regieren, zuerst in einem Land, dann im Bund.“ Er betonte die Notwendigkeit guter Vorbereitung.
Chrupallas lange Amtszeit und Weidels Rolle
Chrupalla steht seit November 2019 an der Spitze der AfD, zunächst an der Seite von Jörg Meuthen, der später die Partei verließ. Mit 51 Jahren ist der Malermeister aus Sachsen der dienstälteste Vorsitzende in der Geschichte der AfD seit ihrer Gründung 2013. Gemeinsam mit der 47-jährigen Wirtschaftswissenschaftlerin Weidel führt er die Partei seit Sommer 2022.
Weitere Vorstandswahlen und Proteste
Neben der Wahl der Parteichefs standen zwölf weitere Vorstandsposten zur Abstimmung. Dabei kam es auf mehreren Positionen, etwa bei den Stellvertretern, zu Kampfkandidaturen. Teilweise traten AfD-Politiker aus demselben Landesverband gegeneinander an. Neu in die Führungsriege aufrücken soll der Thüringer Stefan Möller, Co-Chef und Vertrauter des Thüringer Landeschefs Björn Höcke. Beide werden vom Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremisten eingestuft. Die AfD selbst wird in mehreren Bundesländern, darunter Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Der Parteitag wurde von umfangreichen Protesten begleitet. Zehntausende Demonstranten waren in Erfurt unterwegs. Trotz Blockaden von Zufahrtsstraßen begann das Delegiertentreffen ohne Verzögerungen, da die meisten der rund 600 AfD-Mitglieder bereits in den frühen Morgenstunden angereist waren. Begleitet von der Polizei wurden sie in Bussen zur Messe Erfurt gebracht. Einem Sprecher zufolge waren vor 5.00 Uhr bereits 540 Delegierte auf dem Gelände.



