Der Machtkampf in der AfD eskaliert: Der Bundesvorstand um Alice Weidel und Tino Chrupalla hat zwölf Ordnungsverfahren gegen AfD-Politiker aus Nordrhein-Westfalen eingeleitet. Betroffen ist auch der Landtagsabgeordnete Christian Loose, der Parteichefin Weidel als „Alice Merkel“ verhöhnt hatte. Der Bundestagsabgeordnete Rüdiger Lucassen fordert nun den Parteiausschluss Looses und einen Neuanfang in NRW.
Hintergrund des Konflikts: Wahl der Kandidatenliste 2027
Auslöser der Verfahren ist das Vorgehen Weidels im Juli, als sie die Wahl der Kandidatenliste zur Landtagswahl 2027 in NRW abbrechen und neu ansetzen ließ. Kritiker vergleichen dies mit der Forderung von Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die Thüringen-Wahl 2020 rückgängig zu machen, nachdem Thomas Kemmerich mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt worden war.
Der Bundesvorstand wertet Looses Äußerung als „Angriff auf die persönliche Ehre der Bundessprecherin“ und leitete ein Ordnungsverfahren ein. Loose hat bis Freitag Gelegenheit zur Stellungnahme. Ihm drohen eine Abmahnung oder im schlimmsten Fall der Parteiausschluss.
Lucassen: „Er gehört aus der Partei entfernt“
Rüdiger Lucassen, AfD-Bundestagsabgeordneter aus NRW, fordert ein entschlossenes Vorgehen. Gegenüber BILD erklärte er: „Wer unsere Parteichefin wie der Abgeordnete Loose öffentlich mit Frau Merkel gleichsetzt und sie mehrfach als ‚Alice Merkel‘ tituliert, kann keinen Platz mehr in der AfD haben. Er gehört aus der Partei entfernt.“
Lucassen weiter: „Es wäre insgesamt zum Vorteil unserer Partei, wenn Alice Weidel in der aktuellen Krise Führungsstärke zeigen und den NRW-Landesvorstand seines Amtes entheben würde. Die AfD in NRW braucht einen Neuanfang.“
Zwölf Ordnungsverfahren: Eskalation auf breiter Front
Die zwölf Ordnungsverfahren richten sich gegen mehrere AfD-Politiker aus NRW, nicht nur gegen Loose. Sie sind Ausdruck eines tiefen Zerwürfnisses zwischen dem Bundesvorstand und Teilen der nordrhein-westfälischen AfD. Neben der Verhöhnung Weidels dürften weitere Verstöße gegen die Parteidisziplin eine Rolle spielen.
Die Affäre um die Kandidatenliste hat die Spannungen in der Landespartei offengelegt. Weidels Vorgehen stößt bei vielen Mitgliedern auf Unverständnis, während ihre Unterstützer darin einen notwendigen Schritt zur Sicherung der Parteistruktur sehen.
Mögliche Konsequenzen und Reaktionen
Sollte Loose ausgeschlossen werden, könnte dies ein Exempel statuieren und die Kritiker in NRW weiter verunsichern. Eine Abmahnung wäre eine mildere Sanktion, würde aber ebenfalls als Warnung verstanden. Die Frist für Looses Stellungnahme endet am Freitag – bis dahin bleibt unklar, wie er sich verteidigen will.
Die AfD in NRW steht vor einem Scherbenhaufen: Die öffentlichen Querelen schaden dem Image der Partei, die bei der kommenden Landtagswahl 2027 antreten will. Ob Weidel die nötige Führungsstärke zeigt und den Landesvorstand absetzt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der innerparteiliche Konflikt ist noch lange nicht beigelegt.



