AfD-Co-Chef Tino Chrupalla (51) hat ein Buch geschrieben. „Handwerk – Meister – Politik“ heißt das Werk, das am 26. Juni erschienen ist. Es ist kein Pulitzerpreis-Kandidat, sondern der typische Versuch eines Berufspolitikers, sich selbst zu verklären – und doch mit überraschenden Geständnissen.
Chrupallas Kindheit in der DDR
Auf 248 Seiten erzählt der Sachse von Kohlebergen vorm Elternhaus, Plumpsklos in der DDR, einer erschlagenen Ratte und seinem Weg vom Malermeister an die Spitze der AfD. Dazwischen viel Abrechnung mit „dem Establishment“, das ihn angeblich bis heute nicht versteht. Das Ergebnis: ein Familienalbum mit politischem Sendungsbewusstsein. Mal überraschend persönlich, mal erstaunlich banal.
Das Cannabis-Geständnis auf Seite 66
Und dann, Seite 66. Dort legt der Mann, dessen Partei beim Thema Cannabis sonst gern den erhobenen Zeigefinger auspackt, eine lupenreine Kiffer-Beichte ab. Seine bislang einzige Erfahrung mit Haschisch verdanke er nach der Wende einem Kollegen aus dem Zivildienst. „Ein feiner Kerl“, schreibt Chrupalla, habe „Shit“ mitgebracht – also gepresstes Haschisch, das zusammen mit Tabak geraucht wurde. Das Ergebnis? Ziemlich unspektakulär. „Es hat mir nichts gegeben, weder im Positiven als Rausch noch im Negativen, sodass tags darauf meine Pässe nicht mehr angekommen wären“, bilanziert der AfD-Chef trocken. Seitdem habe ihn das Thema nie wieder interessiert. Statt Joint lieber zwölf Jahre alten Macallan-Whisky oder sechzehnjährigen Lagavulin.
Mehr Familienalbum als Enthüllungsbuch
Wer allerdings hofft, dass Chrupalla nun zum hemmungslosen Enthüllungsautor mutiert, wird schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Die meiste Zeit arbeitet sich der AfD-Chef durch sein eigenes Leben wie über eine frisch gestrichene Wand: sorgfältig, sauber, ohne allzu viele Farbspritzer. Überall lauern Botschaften. Der Kohlehaufen vorm Elternhaus wird zur Schule fürs Durchhalten. Das Malerhandwerk zum Gegenentwurf der Berliner Politik. Und fast jede Kindheitserinnerung endet irgendwann bei Angela Merkel, der Energiewende oder der Brandmauer.



