Kommentar: Kritiker von Spahn haben bei Leihmutterschaft jedes Maß verloren
Kritiker von Spahn haben jedes Maß verloren

Die Debatte über Leihmutterschaft erreicht neue Höhen der Heuchelei. Kaum wurde bekannt, dass der frühere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und sein Ehemann Daniel Funke über eine Leihmutter in den USA Eltern geworden sind, überschlagen sich die Kritiker mit Vorwürfen. „Babykauf“, „erbärmlich“ und „persönlich geschockt“ sind nur einige der Vokabeln, die durch die politische Landschaft geistern. Dabei vereint die Empörung über Spahns Familienglück seltsame Bettgenossen: Linke und Rechte, Grüne Jugend und Senioren-Union – sie alle stimmen in den Chor der moralischen Entrüstung ein.

Die durchsichtige Empörung

Doch diese Empörung ist allzu durchsichtig. Sie dient vor allem dazu, von eigenen politischen Schwächen abzulenken und sich als Hüter der Moral zu inszenieren. Wer jetzt lautstark „Babykauf“ skandiert, verkennt die Realität vieler Familien, die auf dem Weg zur Elternschaft auf moderne medizinische Methoden angewiesen sind. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, aber das macht sie nicht per se unmoralisch. In Ländern wie den USA oder Kanada ist sie unter strengen Auflagen legal und ermöglicht vielen Paaren den lang ersehnten Nachwuchs.

Spahn und Funke haben sich für einen legalen Weg im Ausland entschieden – das ist ihr gutes Recht. Die Kritik, die nun auf sie einprasselt, ist nicht nur unfair, sondern auch heuchlerisch. Denn viele derjenigen, die jetzt empört sind, haben sich bisher kaum um die Probleme ungewollt kinderloser Paare gekümmert oder für eine Reform des Abstammungsrechts stark gemacht. Stattdessen wird nun ein Einzelfall instrumentalisiert, um politisches Kleingeld zu wechseln.

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Ein gesellschaftlicher Konsens ist nicht nötig

Die Debatte zeigt vor allem eines: Es gibt in Deutschland keinen gesellschaftlichen Konsens zur Leihmutterschaft. Das ist aber auch nicht nötig. In einer pluralistischen Gesellschaft müssen nicht alle Fragen moralisch einheitlich beantwortet werden. Entscheidend ist, dass die Rechte aller Beteiligten gewahrt bleiben – der Wunscheltern, der Leihmutter und vor allem des Kindes. Dass Spahn und Funke diesen Weg gegangen sind, ist keine Frage des gesellschaftlichen Konsenses, sondern ihrer persönlichen Entscheidung.

Die Kritiker sollten sich fragen, ob ihre Empörung wirklich dem Kindeswohl dient oder ob sie nicht eher von eigenen Vorurteilen und politischen Kalkülen getrieben wird. Ein bisschen mehr Demut und Respekt vor der Entscheidung anderer wäre angebracht – statt moralisierender Keulen, die nur spalten.

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