Die NPD heißt mittlerweile so, die AfD plakatiert regelmäßig mit dem Wort: Der Begriff „Heimat“ ist in den vergangenen Jahren im Wahlkampf hauptsächlich in Kombination mit rechten und rechtsextremen Parteien aufgefallen. Das wird sich diesen Sommer in Sachsen-Anhalt ändern. Am Freitagvormittag stellte die Linke ihre Plakatkampagne für die anstehende Landtagswahl im September vor. Dabei setzt sie überraschend auf den „Heimat“-Begriff als Leitlinie im Wahlkampf.
„Heimat ist für alle da“ – der Slogan der Linken
„Heimat ist für alle da“, ist inmitten eines blauen Buttons auf den Wahlplakaten der Partei zu lesen, die bald von der Altmark bis zum Harz das Straßenbild prägen werden. Dazu gesellen sich je nach Motiv politische Slogans wie „Konzerne kontrollieren, Arbeit sichern“ oder „Bus, Arzt, Schule – nicht länger warten“. Auch das Plakat von Spitzenkandidatin Eva von Angern ziert großflächig der Spruch „Heimat ist für alle da“.
Die Botschaft hinter dem Begriff
Die geborene Magdeburgerin sieht in der Begrifflichkeit vor allem Positives. „Wir erleben eine Rechtsaußen-Partei, die ganze Menschengruppen aus der Heimat verdrängen will. Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung, Frauen, queere Menschen … Wir sagen ganz klar: All diese Menschen haben ein Recht auf ein friedliches, soziales Miteinander in ihrer Heimat“, sagte von Angern dem Tagesspiegel. Deswegen habe sich die Partei bewusst für den Slogan entschieden. „Auch aus dem Grund, dass der Begriff Heimat niemals von einer rechtsextremen Partei besetzt werden darf“, sagt die Linken-Politikerin.
Kampf um die Deutungshoheit
Doch ist es nicht vielmehr andersherum? Der Begriff wird seit Ewigkeiten mindestens im Wahlkampf von Rechten besetzt. Und die Linke versucht, ihn nun für sich zu reklamieren? „Wir, diejenigen, die sehr nah am politischen Tagesgeschäft arbeiten, müssen aufpassen, dass wir unsere Einschätzung nicht mit der Allgemeinheit verwechseln“, antwortet von Angern. „Nur weil auf früheren Plakaten der Begriff verwendet wurde, heißt es noch lange nicht, dass er von einer politischen Richtung vereinnahmt worden ist.“
Ziel: Heimat positiv besetzen
Ziel der Linken sei es, mit dem Wahlkampfslogan das Wort „gesellschaftspolitisch positiv“ zu besetzen. Die Partei sehe sich als „Pol der Hoffnung“ all derjenigen, die befürchten, dass die AfD bei der Wahl im September siegt, sagt von Angern. In fast allen Gesprächen, die sie derzeit mit Bürgern führe, gehe es derzeit vor allem um Ängste: „Angst davor, was nach dieser Wahl mit dem Land passieren kann.“ Es gehe deswegen konkret darum, wie Sachsen-Anhalt nach dem Wahltag aussehen werde. Der „Heimat“-Begriff sei dabei als roter Faden im gesamten Wahlkampf gedacht, der alle inhaltlichen Forderungen der Partei miteinander verbinden soll, sagt von Angern.
Umfragen: AfD liegt vorn
In der jüngsten Umfrage von Infratest dimap von Anfang Mai liegt die Linke in Sachsen-Anhalt bei zwölf Prozent der Wählerstimmen. Die AfD liegt mit 41 Prozent deutlich vorn.



