Weidel kritisiert Teile des AfD-Wahlprogramms in Sachsen-Anhalt
Weidel kritisiert AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt

AfD-Chefin Alice Weidel hat sich auf dem Bundesparteitag in Erfurt von Teilen des Wahlprogramms der AfD Sachsen-Anhalt distanziert. In einem Interview mit RTL/ntv kritisierte sie Aussagen zum traditionellen Familienbild in dem Programm. „Die können reinschreiben, was sie wollen. Ich lebe etwas anderes“, sagte Weidel. In dem Programm heißt es, „eine intakte Familie bestehend aus Mutter, Vater und Kindern, ist erwiesenermaßen die beste Voraussetzung für eine gute und gesunde Kindesentwicklung“. Weidel lebt mit einer Frau zusammen und zieht mit ihr gemeinsam zwei Kinder groß. „Wenn Sie mich persönlich fragen: Meine Kinder haben die beste Erziehung, die besten Voraussetzungen“, sagte Weidel. „Wir leben mittlerweile in einer ganz anderen Realität. Also gleichgeschlechtliche Beziehungen sind gleichwertig zu behandeln.“ Die AfD-Chefin verteidigte zugleich die grundsätzliche Orientierung ihrer Partei beim Familienbild: „Wenn ich als Politikerin von einem gesellschaftlichen Zielbild rede, und das ist nun mal die traditionelle Familie, dann kann ich mich dafür einsetzen und es ist kein Widerspruch.“

AfD bekräftigt Machtanspruch zum Ende des Parteitags

Zum Abschluss des AfD-Parteitages bekräftigte Ko-Parteichef Tino Chrupalla den Machtanspruch seiner Partei. „Die AfD ist da, um zu siegen. Und wir werden siegen und wir werden regieren“, sagte Chrupalla am Sonntag in Erfurt. „Wir müssen endlich aus der Opposition in die Regierung kommen. Wir sind bereit dazu. Wir wollen regieren.“ Ziel müsse es sein, „auch im Bund 2029“ die Regierung zu übernehmen, sagte Chrupalla. Ko-Parteichefin Alice Weidel betonte in ihrer abschließenden Rede, nach der kommenden Bundestagswahl werde die AfD „Regierungsanspruch erheben, denn wir sind stärkste Kraft“. Die AfD-Vorsitzende Weidel hatte zuvor in ihrer Parteitagsrede die AfD als „neue Volkspartei“ bezeichnet und einen Führungsanspruch erhoben. „Die AfD ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, weil wir es, weil die Deutschen, weil Deutschland es verdient hat, gut regiert zu werden“, sagte Weidel. Die AfD sei inzwischen der „politische Taktangeber im Bund“. In vielen Bundesländern sei sie „stärkste Kraft oder zweitstärkste Kraft.“ Weidel richtete eine Kampfansage an politische Gegner und Gegendemonstranten: „Ihr werdet uns nicht kleinkriegen! Ganz im Gegenteil, wir werden immer stärker und größer!“ Sie forderte ihre Partei dazu auf, das Land in Schwarz-Rot-Gold zu tauchen. Viele Delegierte schwenkten Deutschland-Fahnen. Weidel sagte, aktuell habe die AfD 75.000 Mitglieder, ein deutlicher Anstieg. Ende 2024 waren es noch gut 50.000. Weidel zeigte sich überzeugt, dass man schnell die 100.000 knacken werde.

Polizei zieht positive Bilanz zu Protesten

Die Thüringer Polizei zog eine positive Bilanz des Einsatzes bei dem von Protesten und Blockaden begleiteten AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Angesichts zehntausender Versammlungsteilnehmer sei das Einsatzwochenende „überwiegend friedlich“ verlaufen, teilte die Landespolizeidirektion am Sonntag abschließend mit. Demnach wurden bis Sonntagmittag 65 Straftaten und 13 Ordnungswidrigkeiten erfasst. Es habe vor allem Sachbeschädigungen, Körperverletzungsdelikte und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz gegeben. In allen Fällen seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Die Einsatzleitung verwies auch auf einen Durchbruchversuch von etwa 250 Gegendemonstranten sowie vereinzelte Angriffe auf Medienschaffende und Live-Streamer. Zudem seien mehrere Drohnen, die trotz einer Verbotszone flogen, beschlagnahmt worden. Bereits am Samstag hatte die Polizei von einem „sehr zufriedenstellenden Einsatz“ gesprochen. Die Zahl der Demonstranten wurde am Samstag auf bis zu 31.000 geschätzt, während das Bündnis „Widersetzen“ von 50.000 sprach. Die Demonstrationen seien weitgehend friedlich verlaufen, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD). „Man kann zufrieden sein. Es ist bunt und laut.“

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Vorstandswahlen: Weidel verbessert Ergebnis, Chrupalla erhält Dämpfer

Bei den Vorstandswahlen auf dem Parteitag wurde Alice Weidel mit 81,3 Prozent der Delegiertenstimmen als AfD-Chefin bestätigt. Damit verbesserte sie ihr Ergebnis von knapp 80 Prozent aus dem Jahr 2024. Tino Chrupalla hingegen erhielt nur 70,05 Prozent, ein deutlicher Rückgang gegenüber 82,72 Prozent im Vorjahr. Es gab keine Gegenkandidaten für Chrupalla. Die Delegierten wählten zudem Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen zu einem von drei stellvertretenden Vorsitzenden. Tritschler, der von Weidel vorgeschlagen worden war, erhielt 50,7 Prozent. Der Vertraute von Björn Höcke, Stefan Möller, wurde mit 76,54 Prozent zum stellvertretenden Bundessprecher gewählt. Zum neuen Bundesschatzmeister bestimmten die Delegierten Hannes Gnauck, der sich im dritten Wahlgang mit 51 Prozent gegen Amtsinhaber Carsten Hütter durchsetzte.

Höcke erklärt Brandmauer für gescheitert

Der thüringische AfD-Chef Björn Höcke erklärte in seiner Rede die Strategie der Ausgrenzung seiner Partei für gescheitert. „Die Brandmauer hat uns groß gemacht“, sagte der rechtsextreme Politiker. „Jetzt sind wir stärkste Kraft in Deutschland und werden in Kürze die ersten Regierungschefs im Osten begrüßen dürfen.“ Höcke erteilte der „bunten Zivilgesellschaft“ eine scharfe Absage: „Diese bunte Zivilgesellschaft, die simuliert Volk und simuliert Mehrheit. Aber sie ist nicht Volk und sie ist nicht Mehrheit. Sie ist nur das Vorfeld der Kartellpartei.“ Er drohte: „Wenn wir regieren, dann wird der bunten Zivilgesellschaft der Steuerstecker gezogen.“ Höcke forderte zudem eine „objektive Berichterstattung“ von der Presse. Zuvor hatte Höcke einen Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste mit extremistischen Organisationen zurückgezogen, offenbar auf Druck der Parteiführung.

Grünen-Fraktionsvize kritisiert AfD-Parteitag

Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch kritisierte die Wahl des Ortes und Datums des AfD-Parteitags scharf. „Die AfD stellt sich hier in Erfurt in die Tradition der Hitler-Partei NSDAP – ganz bewusst, ganz offen“, sagte Audretsch. Das AfD-Treffen fand auf den Tag genau 100 Jahre nach dem Reichsparteitag der NSDAP im nahen Weimar statt. „Mit ihrem Parteitag in Thüringen stellt die AfD sich in die Tradition eines NSDAP-Parteitags, der sich durch die Gründung der Hitler-Jugend, die öffentlichkeitswirksame Inszenierung des Hitler-Grußes und die Aufwertung der SS auszeichnete“, sagte der Grünen-Politiker. Dies dürfe „niemals akzeptiert werden“. Er zeigte sich überzeugt, dass Zehntausende friedlich gegen die AfD auf den Straßen seien. Audretsch nahm selbst an den Kundgebungen gegen den AfD-Parteitag teil.

Proteste und Blockaden begleiten Parteitag

Der AfD-Parteitag wurde von massiven Protesten des Bündnisses „Widersetzen“ begleitet. Aktivisten blockierten unter anderem die Autobahn A71 und die Bundesstraße B7. Trotz der Blockaden konnte der Parteitag planmäßig beginnen, da viele Delegierte bereits sehr früh angereist waren. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Am Samstag wurden 48 Straftaten und elf Ordnungswidrigkeiten registriert. Es kam zu vereinzelten gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen auch Journalisten verletzt wurden. Die Polizei dankte den Demonstranten für freigehaltene Rettungswege. Am Sonntag setzte die AfD den Parteitag fort, unter anderem mit Satzungsänderungen. So wurde beschlossen, im Superwahljahr 2029 keinen Bundesparteitag abzuhalten, um Kapazitäten für den Wahlkampf freizumachen.