Abendlage: SpaceX-Börsengang, West-Nil-Virus in Berlin, Hockney-Tod
Abendlage: SpaceX-Börsengang, West-Nil-Virus, Hockney-Tod

Die Lage am Abend Entscheidend is’ auf’m Börsenplatz Von Wolfgang Höbel Die drei Fragezeichen heute: Musks Weltraumfirma – wie fair ging es beim Börsenstart der SpaceX-Aktie zu? West-Nil-Virus – wie gefährlich sind Berlins Stechmücken? Tod des Kunstidols – wie hat der Maler David Hockney mit Swimmingpool-Bildern eine Ära geprägt? 12.06.2026, 18.07 Uhr Zur Merkliste hinzufügen X.com Facebook E-Mail Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen X.com Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren SPIEGEL bei Google bevorzugen Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar. Anhören Extern anhören

1. Die US-Börsenaufsicht weicht für Big Tech ihre Regeln auf

Da ist ein Konzern, der zuletzt fast fünf Milliarden Dollar Nettoverlust bei 18 Milliarden Dollar Umsatz produziert hat – trotzdem wird er von Börsenfachleuten auf 1,8 Billionen Dollar taxiert: Das ist Kapitalismus im Jahr 2026. Heute durfte die Aktie von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq unter dem Tickersymbol SPCX ihr Handelsdebüt feiern, der Konzern hat nun einen selbst für ein Techunternehmen astronomisch hohen Börsenwert. „Er basiert auf den enthusiastischen Gewinnschätzungen von Investoren und Beratern, die dem Raketenforscher Musk anscheinend blind vertrauen“, analysiert mein Kollege Tim Bartz. (Hier mehr) An der Nasdaq weichten die Entscheider ihre Regeln auf, um Techkonzernen wie SpaceX, OpenAI und Anthropic den roten Teppich auszurollen, so mein Kollege. „Regeln, die Machtkonzentration verhindern und Aktionäre schützen sollen.“ Die Nasdaq habe diverse technische Regeln so geändert, dass SpaceX und andere künftig enorme Startvorteile haben. Unter den Augen der Börsenaufsicht SEC, die von Paul Atkins geführt wird und die MAGA-Agenda vorantreibt, die lockere Regeln und weniger Aktionärsrechte propagiert. „Atkins setzt aufs Spiel, was Amerikas weitgehend börsenfinanzierte Volkswirtschaft jahrzehntelang so erfolgreich gemacht hat.“ Eine der neuen Regelungen bewirkt, dass der Einfluss von SpaceX auf die Performance des Nasdaq-100-Index und jener Aktienfonds, die den Index nachbilden, dreimal höher sein wird, als es der tatsächliche Streubesitz rechtfertigt – eine künstliche Aufblähung. Auch kann die SpaceX-Aktie bereits nach 15 Tagen in den Nasdaq-100-Index aufgenommen werden – wie künftig alle weiteren Börsenneulinge. „So werden viele Fondssparer SpaceX-Aktien in ihren Portfolios haben, obwohl sie das womöglich gar nicht wollen“, schreibt mein Kollege Tim. „Fest steht: Mit dem Börsengang von SpaceX wächst Musks Macht über die globalen Börsen erheblich.“ Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Der Kniefall der Wall Street vor Elon Musk und den Tech-Bros

2. Der Anteil von mit dem West-Nil-Virus infizierten Berliner Stechmücken überrascht Experten

Für Menschen, die wie ich zur Hypochondrie neigen, sind Stechmücken sowieso schon Lebewesen zum Fürchten. Nun haben Berliner Forscherinnen und Forscher festgestellt: Das von Stechmücken übertragene West-Nil-Virus ist in Berlin heimisch geworden. Ein wachsender Teil der Berliner Population von gemeinen Stechmücken (Culex pipiens), deren Stiche eigentlich harmlos sind, trägt ein Virus in sich, das Menschen in seltenen Fällen schwer krank machen und sie sogar töten kann. Meine Kollegin Julia Koch berichtet heute über eine Studie der Berliner Charité, für die in den vergangenen Jahren im Berliner Stadtteil Schöneberg tote Mücken auf das West-Nil-Virus getestet wurden. (Hier mehr dazu) Die Forschenden waren nach eigener Aussage überrascht, derart hohe West-Nil-Virus-Infektionsraten in Stechmücken in Berlin zu finden. Die Infektionsraten im August seien zum Teil vergleichbar mit denen in Südeuropa. Zu meiner Beruhigung habe ich in Julias Text erfahren, dass Mücken, die das Virus in sich tragen, es zwar beim Blutsaugen an Menschen weitergeben können, doch viele Betroffene gar nichts davon merken. Nur etwa ein Fünftel der Infizierten entwickelt das West-Nil-Fieber, sie fühlen sich dann für ein paar Tage grippekrank. Bei jedem hundertsten Infizierten befällt das Virus das Nervensystem. Diese „neuroinvasive“ Form kann eine Gehirnentzündung zur Folge haben. Bis zu zehn Prozent der Betroffenen sterben daran. Gegen das West-Nil-Virus gibt es keinen Impfstoff. „Im Sommer sollten sich Berlinerinnen und Berliner vor Mücken schützen“, hat meine Kollegin von den Forschenden erfahren. Insbesondere in den Monaten Juli und August bestehe in der Hauptstadt und mutmaßlich auch in anderen Teilen Deutschlands das Risiko, sich durch einen Mückenstich mit dem West-Nil-Virus anzustecken. Als Vorsorge empfiehlt das Forscherteam langärmelige Oberteile und lange Hosen, Mückenspray und „Aufenthalt in geschlossenen oder klimatisierten Räumen“. Lesen Sie hier mehr: Das West-Nil-Virus ist jetzt in Berlin heimisch

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3. Hockneys Bilder sind pure Lebensbejahung

Die Malerei sei der Fotografie weit überlegen, hat der Künstler David Hockney einmal in einem Interview mit dem SPIEGEL gesagt. „Weil nur die Malerei die Vielschichtigkeit der Wirklichkeit erfasst. Weil sie die Gefühle und die Perspektiven in ihrer Gleichzeitigkeit darstellen kann.“ Und er hat hinzugefügt: „Ich glaube, Kunst ist eines der wenigen Dinge im Leben, die einem helfen können, nicht verzweifelt zu sein.“ (Hier das Interview) Heute wurde bekannt, dass David Hockney im Alter von 88 Jahren in London gestorben ist. Er war einer der prägenden Maler des 20. Jahrhunderts. (Hier mehr) Hockney wurde im Norden Englands geboren; als 26-Jähriger zog er von London nach Los Angeles. Dort waren in der Sonne glitzernde Pools etwas Selbstverständliches – und Hockney begann, Schwimmbecken zu malen und trug viel zum coolen Image Kaliforniens bei. „Hockney war eine Ikone der Pop Art und der queeren Welt“, schreibt meine Kollegin Carola Padtberg in ihrem Nachruf. (Hier mehr) Irgendeines seiner Werke dürfte fast jeder kennen. Denn sein Stil – grafisch, farbenfroh, streng komponiert – sei leicht wiederzuerkennen. „Er lebte sehr früh, sehr sichtbar und sehr selbstverständlich homosexuell und ließ sich nichts vorschreiben“, so Carola. „Das war in den Sechzigerjahren wirklich mutig, bis 1967 standen homosexuelle Handlungen in England unter Strafe. Kalifornien hingegen war sein schwules Paradies.“ Hockney färbte sich die Haare wasserstoffblond, trug eine dicke runde Brille und exzentrische Kleidung und habe verschmitzt sein Ding gemacht. „Er verzichtete darauf, homoerotisches Begehren in seinen Bildern zu codieren“, schreibt meine Kollegin. „Er malte explizit, ohne sensationsgeil zu wirken, er hatte eher einen alltäglichen, liebevollen Blick auf schwules Leben.“ Im Übrigen machten Hockneys Bilder einfach Spaß. „Auch Laien werden von der lebensbejahenden Grundstimmung seiner Kunst angesprochen.“ Lesen Sie hier den ganzen Nachruf: Er strahlt Optimismus in den dunklen Flur

Was heute sonst noch wichtig ist

EU verschärft Asylregeln und setzt Reform mit schnelleren Verfahren um: Um die Reform war jahrelang gerungen worden: In der EU gelten seit Mitternacht deutlich schärfere Asylregeln. Sie sollen etwa schnellere Verfahren und konsequentere Abschiebungen ermöglichen. Besonderer Schutz für Spitzenpolitiker bei Beleidigungen soll fallen: Die Justizminister wollen die Sonderregelung zum Schutz von Spitzenpolitikern abschaffen. Eine Gruppe soll aber weiter geschützt werden. WHO warnt vor „blinden Flecken“ bei Ebolaausbruch: Im Kongo breitet sich Ebola immer weiter aus, die WHO schlägt Alarm. Weil die Überwachung schwierig ist, bleibt das ganze Ausmaß des Ausbruchs bislang unklar. Prinzessin Bajrakitiyabha ist im Alter von 47 Jahren gestorben: Thailands Prinzessin Bajrakitiyabha ist tot. Die älteste Tochter von König Maha Vajiralongkorn wurde bereits seit Jahren im Krankenhaus behandelt. Zuletzt verschlechterte sich ihr Zustand weiter.

Mein Lieblingsinterview: So bekommen Sie mit wenig Schlaf möglichst viel WM

Fußball-Leidenschaft ist manchmal ganz schön anstrengend und mitunter sogar ungesund. Bei dieser WM liegen alle Anstoßzeiten zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Darüber, wie man es trotz Nachtspielen am nächsten Tag schaffen kann, einigermaßen fit zu sein, hat sich mein Kollege Christopher Bonnen mit dem Schlafexperten Hans-Günter Weeß unterhalten. „Schon eine einzige Nacht mit nur drei, vier Stunden Schlaf ist sehr kritisch. Alles darüber hinaus wird gefährlich“, sagt der Experte. Nach einer kurzen Nacht gebe es aber ein paar gute Tipps fürs Aufstehen: „Heiß und kalt im Wechsel duschen. Optimal wäre Frühsport im Freien und Hellen: Das Herz-Kreislauf-System kommt in Schwung, und das Tageslicht unterdrückt den Schlafbotenstoff Melatonin. Dann wären über den Tag verteilt ein bis zwei Powernaps ratsam, für zehn bis 20 Minuten. Am besten, Sie trinken direkt vorher einen Kaffee. Koffein benötigt gut 20 bis 25 Minuten, bis es wirkt: Sie wachen dann also doppelt erfrischt wieder auf!“ Bild vergrößern Lange WM-Nächte vor dem Fernseher: Auch auf die richtigen Snacks kommt es dann an Foto: rubberball / Getty Images Lesen Sie hier das ganze Interview: So bekommen Sie mit wenig Schlaf möglichst viel WM

Was heute weniger wichtig ist

Bild vergrößern Foto: Kylie Cooper / REUTERS Musik-Bann aus Abscheu: Ariana Grande, 32, US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin, verbietet der US-Regierung unter Donald Trump die Nutzung eines ihrer Hits – und reiht sich damit ein in einer Liste von Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen, die Trump und seinen Getreuen die Nutzung ihrer Musik verbieten. Die Regierung hatte einen Clip über ICE-Festnahmen mit Grandes Lied „Bye“ untermalt. Unter dem Post des Weißen Hauses zu den Festnahmen durch uniformierte Beamte schrieb Grande daraufhin auf TikTok in einem Kommentar: „Bitte verwendet meine Musik niemals für diesen barbarischen, unmenschlichen, abscheulichen Unsinn.“ Mini-Hohlspiegel Schild auf einem Schiff der Veitshöchheimer Personenschifffahrt GmbH, das zwischen Veitshöchheim (Bayern) und Würzburg verkehrt Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Cartoon des Tages Bild vergrößern Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons. Thomas Plaßmann

Und heute Abend?

Bild vergrößern Jennifer Lopez und Brett Goldstein: Girlboss oder Pick-me-Girl? Foto: Netflix Könnten Sie sich mit der Tatsache beschäftigen, dass erfolgreicher Kitsch immer eine Menge über den Zeitgeist aussagt – und sich den derzeitigen Netflix-Hit „Office Romance“ ansehen. In dem Film verkörpert die Schauspielerin Jennifer Lopez den Girlboss einer Fluggesellschaft – „und braucht dann aber doch Ansagen von einem Typen“, wie mein Kollege Christian Buß schreibt. (Lesen Sie hier seine Kritik.) Immerhin ziehe Lopez den Habitus der Mackerin über weite Strecken des Films, indem sie zum Beispiel ihre High Heels auf dem Konferenztisch platziert, um ihr Revier zu markieren. „Aber was ist das für eine Aussage, wenn diese satte Inszenierung weiblicher Macht in sich zusammenfällt, sobald die Andeutung eines erigierten Penis im Bild erscheint?“, fragt Christian. Und: „Was sagt der Erfolg dieses Films über die Sehnsüchte des Netflix-Publikums?“ Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort = $appBridge.minAppNavigationHomepageVersion ? $publish('APP_NAVIGATION', { targetId: 'homepage' }) : window.location.href = $el.href"> = $appBridge.minAppNavigationHomepageVersion? $publish('APP_NAVIGATION', { targetId: 'homepage' }) : window.location.href = $el.href"> Startseite Feedback